02. Dezember 2021 | 15:06 Uhr

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Lawinen

Die weiße Gefahr: Wie entstehen Lawinen und welche Vorsichtsmaßnahmen sind dabei wichtig?

Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, freuen sich viele Menschen nicht nur auf das Weihnachtsfest, sondern auch auf viel Niederschlag in Form von Schnee. 

Egal, ob Tourengeher, Skifahrer oder Snowboarder – sie alle fiebern der kalten Jahreszeit entgegen, um endlich wieder ihrem Hobby nachgehen zu können. Allerdings sollten Wintersportler dabei stets Vorsicht walten lassen. Schließlich stellen Lawinen genau dort, wo schneebedeckte Gipfel locken, eine ernstzunehmende Gefahr dar.

Verschneite Hänge sind ein schöner Anblick – sie bergen aber auch Gefahren.

Lawinen sind im alpinen Gebiet eine ernste Gefahr

Echte Wintersportfreunde erwarten die ersten Schneeflocken bereits im Herbst. Über verschiedene Webcams beobachten sie das Wettergeschehen im bevorzugten Skigebiet und freuen sich, wenn es dann tatsächlich erstmals schneit. Zeigt sich dann das Wetter in Schladming, Saalbach-Hinterglemm, Sölden, Kitzbühel oder Ischgl von seiner besten Seite und sind die Pisten bestens präpariert, kann es endlich losgehen: Die ersten unbeschwerten Wintersporttage stehen bevor.

Nicht vergessen sollten Wintersportfans dabei allerdings, dass nach dem Wintereinbruch stets auch Lawinenabgänge drohen. Zwar sehen die abgehenden Schneebretter aus der Ferne durchaus faszinierend aus – insbesondere für Skifahrer und andere Wintersportler, die sich auch abseits der Pisten bewegen, stellen sie jedoch eine große Gefahr dar.

Grundsätzlich sind Lawinen überall in schneebedeckten Berglandschaften eine ernstzunehmende Gefahr. Das heißt: Sie können sowohl in nicht bewohnten als auch in dicht besiedelten Regionen auftreten. Im schlimmsten Fall können Schneelawinen nicht nur Verkehrswege, sondern auch Personen oder ganze Siedlungen unter sich begraben. Die Lawinenkatastrophe von Galtür im Jahr 1999 hat Österreich erschüttert und deutlich aufgezeigt, wie gefährlich Lawinen sind.

Um sich zuverlässig vor ihnen zu schützen, ist es für Wintersportler daher besonders wichtig, Vorsichtmaßnahmen zu ergreifen. Außerdem hilft das Wissen darüber, wie Lawinen entstehen, die von ihnen ausgehende Gefahr einzuschätzen.

So kommt es zu Lawinenabgängen

Lawinen entstehen selbstverständlich nicht immer gleich dann, wenn Gipfel und Hänge schneebedeckt sind. Vielmehr kommt es auf den Aufbau der Schneedecke, auf ihre Schichten und ihre Stärke an. Stehen diese Einflussfaktoren in einem ungünstigen Verhältnis zueinander, kann es zu einem Lawinenabgang kommen.

Obwohl die verschiedenen Einflussfaktoren bekannt sind, ist es trotzdem nach wir vor schwierig, die Wahrscheinlichkeit eines Lawinenabgangs genau zu berechnen. Das hängt auch damit zusammen, dass es verschiedene Arten von Lawinen gibt. Dabei wird zwischen Lockerschneelawinen, Schneebrettlawinen und Nassschneelawinen unterschieden.

• So entstehen Lockerschneelawinen:
Lockerschneelawinen entstehen dann, wenn Schneeschichten nicht ausreichend miteinander verbunden sind. Sie gehen von einem Punkt aus, an dem sich meist nur eine kleine Menge Schnee löst. Auf dem Weg hinunter ins Tal reißt diese kleine Schneemenge jedoch immer mehr mit sich, sodass die Lawine sukzessive größer wird. Lockerschneelawinen bewegen sich – verglichen mit Schneebrettlawinen – langsam. Sie sind daher etwas ungefährlicher.

• So entstehen Schneebrettlawinen: Schneebrettlawinen sind für Wintersportler besonders gefährlich. Sie entstehen, wenn an einem Hang ganze Schneetafeln ins Rutschen geraten. Das kann passieren, wenn sich große Schneemengen übereinander türmen und einzelne Schneeschichten weniger dicht sind als andere. Entsteht eine solche Schneebrettlawine, kann sie Geschwindigkeiten von 50 bis 100 Kilometer pro Stunde erreichen. Daher ist diese Lawinenform sehr gefährlich.

• So entstehen Nassschneelawinen: Nassschneelawinen entstehen vornehmlich spontan und insbesondere dann, wenn die Temperaturen steigen. Ausgelöst werden sie durch Schmelz- oder in seltenen Fällen Regenwasser. Das Wasser dringt in den Schnee ein und schwächt die Bindungen der Schneeschichten. So kann es letztendlich zu einer Nassschneelawine kommen.

Diese Vorsichtmaßnahmen sollten Wintersportler beachten

Wer sich in den Bergen aufhält, sollte die Gefahr eines Lawinenabgangs stets bedenken und Vorsicht walten lassen. Das bedeutet zum Beispiel auf bestimmte Warnzeichen zu achten: Sinkt man beim Gehen in den Schnee ein, obwohl die oberste Schneeschicht eher hart ist, ist die Lawinengefahr recht groß. Außerdem können dumpfe Stoßgeräusche oder ein Zischen auf einen Bruch in einer naheliegenden Schneeschicht hindeuten.

Selbstverständlich sollten sich Wintersportler aber nicht allein auf diese Warnsignale verlassen. Vielmehr sollte die jeweilige Skitour, eine Schneewanderung oder eine andere Aktivität so geplant werden, dass sie lawinensicher ist. Das ist sie insbesondere dann, wenn Wintersportler dabei die markierten Pisten nicht verlassen. Zudem sollten sie neben den Wetterwarnungen auch eventuelle Lawinenwarnungen beachten. Besteht eine Lawinenwarnung, dürfen auf jeden Fall nur markierte Pisten und Wege benutzt werden.

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Lawinenwarnungen müssen von Wintersportlern unbedingt beachtet werden.

Die passende Notfallausrüstung für Freerider oder Tourengeher

Im Falle einer Lawinenwarnung sollten sich Skifahrer und alle anderen Wintersportler also keinesfalls abseits der gekennzeichneten Pisten bewegen. Aber auch dann, wenn keine ausdrückliche Warnung besteht, sollten diejenigen, die abseits gesicherter Pisten unterwegs sind, auf alles vorbereitet sein. Dazu gehört, dass immer eine passende Notfallausrüstung mitgeführt werden sollte. Kommt es zu einem Lawinenabgang, erhöht diese die Überlebenschancen enorm.

Eines der wichtigsten Utensilien einer Notfallausrüstung ist ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS). Es wird am Körper befestigt und sendet während der Tour Funksignale aus. Sollte es zu einem Lawinenunfall kommen, ist es Helfern so möglich, das Signal zu orten und Verschüttete zu finden.

Außerdem empfiehlt es sich, eine Lawinenschaufel sowie eine Sonde bei sich zu haben. Dieses Equipment macht es Wintersportlern nach einem Lawinenunfall möglich, bei der Bergung Verschütteter mitzuhelfen. Insbesondere eine Lawinenschaufel ist dabei unverzichtbar, schließlich lassen sich große Mengen festen Schnees kaum mit bloßen Händen aus dem Weg räumen.

Ebenfalls sinnvoll ist es, ein Erste-Hilfe-Set sowie einen Biwaksack mitzuführen. Kommt es zu einem Notfall, kann der Biwaksack vor dem Erfrieren retten.

Kein Ausflug ohne Handy

Bei sämtlichen Wintersportaktivitäten sollte heutzutage auch ein Handy mit dabei sein. Dies ermöglicht es, im Notfall einen Notruf abzusetzen – hierfür wurde die europäischen Notrufnummer 112 eingerichtet. Mittlerweile ist die Netzabdeckung auch in alpinen Regionen meist gut, sodass das Smartphone im Notfall zum wichtigen Helfer wird. Hierfür muss selbstverständlich auf einen gut funktionierenden Akku geachtet werden.

Wird der Notruf abgesetzt, sollte die Lage möglichst genau beschrieben werden. Insbesondere der genaue Standort und die Anzahl der verschütteten Menschen sind wichtige Informationen für Rettungskräfte. Zudem kann das auf Empfang gestellte LVS dabei helfen, Verschüttete rascher aufzuspüren.