11. Jänner 2024 | 10:00 Uhr

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Wetterextrem

Dürre sorgt für kritische Wasserknappheit in Spanien

Die Kirche von Sant Romà de Sau zeigt sich nach 60 Jahren wieder - ein beeindruckendes Zeugnis der anhaltenden Wasserknappheit in Spanien. 

Inmitten der anhaltenden Wasserknappheit in Spanien zeichnet sich ein ungewöhnliches Bild ab: Die Kirche von Sant Romà de Sau, vor 60 Jahren überflutet, ist aus dem Wasser des Sau-Stausees aufgetaucht. 

Dürretourismus in Sant Romà de Sau

Der einstige Wasserturm ragt nun trocken in die Höhe und zieht "Dürretouristen" an. Doch diese Szenerie ist nur ein Symptom der umfassenden Dürrekatastrophe, die das Land heimsucht.

Die Wiederkehr aus den Fluten

Vor sechs Jahrzehnten wurde das Dorf Sant Romà de Sau geflutet, um den Sau-Stausee zu schaffen, der Barcelona mit lebenswichtigem Trinkwasser versorgt. Normalerweise ragt nur die Turmspitze der Kirche aus dem Wasser. Doch nun steht das gesamte Gebäude des 11. Jahrhunderts auf dem trockenen Boden und zieht die Aufmerksamkeit von Menschen an, die Zeuge eines seltenen Anblicks werden wollen.

Zeugen des Wasserrückgangs

Sergio Iberico, ein regelmäßiger Besucher des Stausees, äußert sein Staunen: "Es ist unglaublich, wie sehr der Wasserstand gesunken ist." Er erinnert sich daran, wie er einst am Fenster des Kirchturms paddelte, während das Wasser ihn umgab. Der Sau-Stausee steht derzeit bei nur 6 Prozent seiner Kapazität, im Vergleich zu 19 Prozent im Vorjahr und einem durchschnittlichen Januarwert von über 90 Prozent.

Sorgen um Wasserknappheit

Anwohner wie Antonio Rodriguez machen sich angesichts des sinkenden Wasserstands ernsthafte Sorgen um ihre Wasserversorgung. "Das Wasser geht zur Neige. Ich schränke meinen Wasserverbrauch bereits ein, ich verbrauche nur das Nötigste", sagt er. "Aber uns geht das Wasser aus."

Die Dürre breitet sich aus

Die von der anhaltenden Dürre am stärksten betroffenen Regionen Spaniens sind Andalusien und Katalonien - beides bedeutende Agrar- und Lebensmittelanbaugebiete. Die Dürre dauert in Katalonien bereits seit drei Jahren an, und die Wasservorräte der Region sind auf besorgniserregende 17 Prozent gesunken.

Steigende Herausforderungen

Mit dem sinkenden Wasserstand steigen nicht nur die Sorgen der Bewohner, sondern auch die Herausforderungen. Wasserrechnungen sind bereits gestiegen, die landwirtschaftliche Wassernutzung ist eingeschränkt, und öffentliche Einrichtungen wie Parks und Springbrunnen leiden unter Wasserknappheit. Die Auswirkungen erstrecken sich auch auf die Lebensmittelpreise im ganzen Land, insbesondere bei Olivenöl, dessen Preis im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 50 Prozent gestiegen ist.

Entsalzung als Lösung?

In Barcelona steht die größte Entsalzungsanlage Europas, die Süßwasser aus dem Mittelmeer gewinnt. Die Anlage spielt eine entscheidende Rolle in der Wasserversorgung der Region, aber ihre Kapazität ist begrenzt.

Herausforderungen der Entsalzungstechnologie

Carlos Miguel, Direktor der Llobregat-Anlage, erklärt: "Aus 100 Litern Salzwasser erhalten wir 45 Liter Süßwasser. Im Moment produziert diese Entsalzungsanlage etwa 20 Prozent des Süßwassers, das Barcelona benötigt." Dennoch ist die Anlage derzeit ausgelastet und kann keinen weiteren Bedarf decken.

Neue Entsalzungsanlagen in Planung

Die Entsalzung allein kann das Dürreproblem Spaniens nicht vollständig lösen. Das Verfahren ist langsam, teuer und energieintensiv. Ohne erneuerbare Energiequellen würde die Umweltverschmutzung durch die Entsalzung den Klimawandel beschleunigen. Dennoch plant Spanien den Bau von zwei neuen Entsalzungsanlagen in den am stärksten betroffenen Regionen Andalusien und Katalonien, um der anhaltenden Wasserknappheit entgegenzuwirken.

Ein unsichtbares Drama für Mensch und Natur

Dürre, ein stiller und schleichender Naturprozess, der weitreichende Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft hat. Dieser Text beleuchtet, wie Dürre entsteht und welche verheerenden Folgen sie für Ökosysteme, Landwirtschaft und das tägliche Leben haben kann.

Was ist Dürre?

Dürre ist ein klimatisches Phänomen, das durch ungewöhnlich lange Perioden mit unterdurchschnittlichen Niederschlägen gekennzeichnet ist. Es resultiert aus einem Ungleichgewicht zwischen der Menge verdunsteten Wassers und dem Niederschlag, der die Erde erreicht. Diese Trockenheit kann kurzfristig sein, aber auch über Jahre hinweg andauern, was zu ernsthaften Wasserknappheiten führt.

Die Entstehung von Dürre

Die Ursachen für Dürre sind vielfältig und können auf natürliche und menschengemachte Faktoren zurückzuführen sein. Zu den natürlichen Ursachen gehören langfristige Klimazyklen, wie der El Niño, der den Niederschlag beeinflussen kann. Menschliche Aktivitäten wie Entwaldung, übermäßige Wassernutzung und der Ausstoß von Treibhausgasen tragen ebenfalls zur Entstehung von Dürre bei, indem sie das Klima beeinflussen.

Folgen für Mensch und Natur

Landwirtschaftliche Missernten: Dürre führt zu einem Wassermangel, der das Pflanzenwachstum beeinträchtigt. Landwirte stehen vor erheblichen Ernteausfällen, was zu Nahrungsmittelknappheit und steigenden Preisen führen kann.

Wasserknappheit für Gemeinschaften: Weniger Niederschlag bedeutet weniger Wasser in Flüssen und Seen. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Wasserversorgung für Städte und Gemeinden, was zu strengen Wasserrationierungen und Versorgungsengpässen führen kann.

Ökologische Schäden: Trockenheit setzt Pflanzen, Tieren und Ökosystemen zu. Gewässer können austrocknen, und die Artenvielfalt kann erheblich abnehmen. Dies hat langfristige Auswirkungen auf die Umwelt.

Erhöhtes Waldbrandrisiko: Trockene Bedingungen schaffen ideale Voraussetzungen für Waldbrände. Die zunehmende Häufigkeit und Intensität von Bränden bedrohen nicht nur die Tier- und Pflanzenwelt, sondern auch menschliche Siedlungen.

Gesundheitsprobleme: Wasserknappheit und unzureichende Wasserversorgung können zu Gesundheitsproblemen führen, darunter Wassermangel, mangelnde Hygiene und das Auftreten von Krankheiten.

Nachhaltige Maßnahmen

Um den Auswirkungen von Dürre entgegenzuwirken, sind nachhaltige Wasserressourcenmanagementstrategien, die Aufforstung, Wassereffizienz und Klimaschutzmaßnahmen integrieren, von entscheidender Bedeutung. Frühwarnsysteme, verbesserte Landwirtschaftspraktiken und eine bewusste Wassernutzung auf individueller Ebene spielen ebenfalls eine Schlüsselrolle.

Insgesamt erfordert die Bewältigung von Dürre eine umfassende und koordinierte Anstrengung auf globaler, nationaler und lokaler Ebene, um die Herausforderungen dieses unsichtbaren, aber äußerst wirkungsvollen Naturphänomens zu bewältigen.

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