10. September 2017 | 23:39 Uhr

Bauernebel Florida © Bauernebel/Fotomontage

ÖSTERREICH mitten im Hurrikan

Monster 'Irma' verwüstet Florida

ÖSTERREICH-Reporter Herbert Bauernebel berichtet aus dem Katastrophen-Gebiet.

Das Heulen ist ohrenbetäubend. Windböen von weit mehr als ­hundert Stundenkilometern peitschen die Regengüsse durch die Hochhausschluchten von Downtown Miami.

Lebensgefahr

Ich sitze im 23. Stock eines Hotels im Zentrum der Florida-Metropole. Der Sturm devastiert gerade 150 Kilometer entfernt die ­Inselkette Florida Keys: Doch die Sturmausläufer treffen auch Miami mit voller Wucht. Wild prasseln die dicken Regentropfen wie Geschosse gegen die Schiebetüre zum Balkon. Draußen ist es längst lebensgefährlich.
Bei den stärksten Böen schwankt das wuchtige Hochhaus der Fortune House Hotel Suites wie bei einem Erdbeben. Drinnen knirscht es gespenstisch, draußen tost der Sturm so laut, als würden ­Güterzüge vorbeirasen.

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Stromausfall

Das Hotel ist von außen mit Wellblechplatten vor dem erwarteten Hochwasser notdürftig geschützt. Innen sind die Lifte schon vor der Sturmnacht ausgefallen. Ebenso die Klimaanlage. Die Lichter in meinem Zimmer flackern bereits seit der Früh.
Das iPhone piepst wild: Tornado-Warnung. Im TV erklärt ein Meteorologe anhand von Radardaten: Ein potenzieller Tornado – einer von sechs (!) –  rast gerade auf das fast vollständig geräumte Touristen-Mekka South Beach zu. „Retten Sie sich ins Innerste des Gebäudes“, appelliert er.

„Höllenangst“

Im Großraum Miami (2,6 Millionen Einwohner) wurden bereits schwere Schäden gemeldet: Bäume stürzten auf Gebäude, Transformatoren explodierten. Teilweise liegen Straßenzüge bis zu zwei Meter unter Wasser. Besonders dramatisch ist die Lage in South Beach: Dort versperren umgestürzte Palmen die berühmten Boulevards mit den Art-déco-Hotels.

Ich denke an Andres Asion (36), mit dem ich vor einem Tag redete: Er wollte fort aus Miami Beach, doch seine Eltern weigerten sich. „Ich kann sie nicht im Stich lassen“, sagte er. Und dann: „Wir haben uns gut vorbereitet, aber ich habe eine Höllenangst …“

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209 km/h

Die noch größere Tragödie bahnte sich aber gleichzeitig an der Westküste Floridas an: Der Horror-Hurrikan zielt mit Winden von über 200  km/h auf den Großraum Tampa mit insgesamt 2,8 Millionen Einwohnern. Dort flüchteten Hunderttausende in letzter Minute. Floridas Gouverneur Rick Scott befürchtet die „größte Hurrikan-Katastrophe aller Zeiten in Florida“. 

Flucht

Als sich „Irma“ näherte, versuchte ich noch, am berühmten Highway U.S. Route 1 zur Inselkette der Keys zu gelangen. Doch vor der ersten Brücke nach Key Largo ist dann schon Endstation, mir wird zu mulmig. Die Sturmflut schwappt streckenweise schon über die Straße, Windböen peitschen die Gischt der Wellen über den Asphalt. Am Wendepunkt bei der Sea Hunter Marina, wo Urlauberfahrten zu Korallenriffen angeboten werden, treten sogar  die Reporter eines Wetterkanals den Rückzug an.
Angesichts der rohen Naturgewalt eines Hurrikans bleibt uns nur eines: die Flucht …