06. Juni 2018 | 14:17 Uhr

Bisamberg Unwetter © Feuerwehr Bisamberg
Unwetter Steiermark © APA/PRESSEDIENST BFVHB

Starkregen und Hagel

Unwetter-Chaos in Teilen Österreichs

Schwere Unwetter haben wieder für Überflutungen gesorgt. Feuerwehren sind im Dauereinsatz.

Österreich ächzt unter der Hitze und zittert vor heftigen Gewittern. Für fast das ganze Land galt am Mittwoch eine Unwetterwarnnung. Es drohten lokale Überflutungen und Hagel, berichten die AWÖ auf Facebook. Und diese Prognosen haben sich vielerorts leider bewahrheitet.

Regierung saß zwei Stunden im Flieger fest

Neben unzähligen Feuerwehreinsätzen hatten die Unwetter auch Auswirkungen auf den Flugverkehr. Der Wettergott wurde auf der Heimreise unserer Regierung von Brüssel zum Spaßverderber: Erstes Opfer war Sebastian Kurz. Sein Flug nach München kam wegen Schlechtwetters mit mehr als zwei Stunden Verspätung an. Ein Treffen mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder wurde in die Nacht verschoben – nach dem Beginn der Tagung der EVP. Das Gros der Minister saß zunächst wegen der Unwetter zwei Stunden in Brüssel fest, dann vergaß man in Wien am Airport, ein Gate aufzumachen – was noch eine halbe Stunde Verspätung bedeutete. Einzig HC Strache, der zum WDR-Interview nach Berlin flog, kam ohne Verspätung davon.

Unbenannt-4.jpg © Instagram

Zahlreiche Überflutungen in NÖ

In Mariazell begann es zu schütten. Innerhalb kürzester Zeit waren die Kapazutäten der Kanäle erschöpft und erste Keller standen unter Wasser. Die Feuerwehren befinden sich im Dauereinsatz.

Auch in Bisamberg setzte der sintflutartige Regen dem Ort mehr als zu. Ein ganzer Parkplatz wurde überflutet. Wie die örtliche Feuerwehr berichtet, gingen sein 14.30 Uhr run 100 Einsätze in der Zentrale ein.

Die Feuerwehr Bisamberg steht mit Unterstürtzung der Feuerwehren aus Kleinengersdorf, Korneuburg, Langenzersdorf und Flandorf mit allen verfügbaren Mitteln im Einsatz.

Über 80 Feuerwehreinsätze im Nord- und Südburgenland

Unwetter haben am Mittwochnachmittag für über 80 Feuerwehreinsätze in den Bezirken Oberwart und Neusiedl am See gesorgt. Keller und Häuser wurden überschwemmt, Straßen standen unter Wasser, berichtete die Landessicherheitszentrale Burgenland (LSZ). Mehr als 20 Feuerwehren seien im Einsatz gewesen.

Im Bezirk Neusiedl am See habe es rund 30 Einsätze gegeben, wobei besonders Andau und Frauenkirchen betroffen waren. Im Bezirk Oberwart zählte die LSZ um die 50 Einsätze. Hotspots waren, wie bereits vergangenen Freitag, die Gemeinden Loipersdorf-Kitzladen und Riedlingsdorf.
 

Wasser stand bis zu 40 Zentimeter hoch

Der Boden habe das Wasser nicht mehr aufnehmen können, berichtete der Bürgermeister von Loipersdorf-Kitzladen, Thomas Böhm (ÖVP). Zahlreiche Keller und Gärten seien überflutet worden. Das Wasser sei bis zu 40 Zentimeter hoch gestanden. "Drei Viertel der Leute, die heute betroffen waren, waren am Freitag auch betroffen", sagte Böhm. Die Menschen seien verzweifelt.
 

Einsatzkräfte am Limit

Laut dem Kommandanten der Feuerwehr Loipersdorf, Wolfgang Oberndorfer, waren vier Feuerwehren mit 38 Mitgliedern in der Ortschaft im Einsatz um 18 Adressen abzuarbeiten. 20 Volksschüler und Kindergartenkinder, die sich noch in der Nachmittagsbetreuung befunden hätten, seien vorsorglich heimgebracht worden. Die Feuerwehrmitglieder würden sich nach den Ereignissen der vergangenen Tage am Limit befinden. "Die Luft ist heraußen", meinte Oberndorfer.

Am Mittwochabend seien keine neuen Einsätze mehr gemeldet worden, hieß es von der Landessicherheitszentrale. Die Landesstraße bei Jabing (Bezirk Oberwart) Richtung B63 werde wegen Überflutung gesperrt. Die Pegelstände von Stögersbach und Pinka weiter beobachtet werden.
 

 

Die Lage in den beiden nach Unwettern zum Katastrophengebiet erklärten oststeirischen Gemeinden Waldbach-Mönichwald und St. Lorenzen am Wechsel war auch am Mittwoch angespannt: Am frühen Nachmittag regnete es erneut stark und kleinere Muren gingen in nicht bewohnten Bereichen ab. "Wir haben die Lage aber im Griff", sagte Thomas Allmer, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr St. Lorenzen zur APA.

Bei manchen Böschungen in St. Lorenzen waren weitere Risse im Erdreich erkennbar. "Nun legen wir Planen auf und beschweren sie mit Sandsäcken", sagte Allmer. Etwa 20 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Manche Straßen waren nach neuerlichen Regenfällen wieder mit Schlamm überzogen. "Die Situation ist bei allen angespannt", meinte der Feuerwehr-Kommandant.
 
Etwas Entspannung gab es dagegen in Waldbach-Mönichwald: Feuerwehr-Kommandant Johannes Gruber zufolge wurden nach dem Unwetter vom Montag noch am Dienstag die gröbsten Schadensstellen abgearbeitet. Am Mittwoch habe es vorerst keine neuen Schäden gegeben, weshalb die Helfer eine Pause bekamen. "Wir sitzen aber auf Nadeln", so Gruber, denn am Nachmittag begann es auch dort wieder zu regnen.
 
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Zahlreiche Feuerwehreinsätze im Bezirk Neunkirchen

Auch im südlichen Niederösterreich ist Starkregen niedergegangen, der zu mehreren Überflutungen geführt hat. Wie das Landesfeuerwehrkommando Niederösterreich mitteilte, war vor allem der Bezirk Neunkirchen betroffen. Eine Mure verlegte das Gleis der Aspangbahn im Bereich Höll. Heftige Gewitter gab es am Nachmittag auch in Klosterneuburg (Bezirk Tulln) und im Bezirk Korneuburg.
 
In Olbersdorf drohte ein großer Möbelbetrieb überschwemmt zu werden. Der Feuerwehr gelang es, eine Überflutung der Hallen trotz Wassereintritts zu verhindern, so dass die Produktion weiterlaufen konnte. Das Werk wurde mit 24 Paletten Sandsäcken gesichert, die Wassermengen wurden mit acht Tauch- sowie einer Großpumpe abgepumpt. In dem Ort gab es zudem Verklausungen einer Brücke, ein Einfamilienhaus sei komplett überflutet und die EVN-Gasversorgungsleitung teilweise freigelegt worden.
 
Auch in Neunkirchen stand ein Keller unter Wasser, in Aspang waren zwei Häuser betroffen. Vermurungen bedingten eine Sperre der Aspangbahn. In Tauchen in der Gemeinde Mönichkirchen wurden ebenfalls mehrere Häuser überflutet. In Königsberg drohte ein Hausdach einzustürzen, außerdem wurde der Zaun eines Wildgeheges zerstört. Nach Angaben von NÖ Feuerwehrsprecher Franz Resperger standen 22 Feuerwehren mit 245 Mitgliedern und mehreren Großpumpen, Baggern und Radladern im Einsatz.
 
In Klosterneuburg und im Bezirk Korneuburg kämpften sieben Feuerwehren gegen Unwetterschäden. Keller, Straßen und Parkplätze waren überflutet, in Klosterneuburg auch ein Hotel am Niedermarkt und ein Geschäft. Ins Gymnasium der Babenbergerstadt drang ebenfalls Wasser ein, die Einsatzkräfte rückten mit einem speziellen Sauggerät an, so Resperger.
 

Detailprognose für Ihr Bundesland

Wien: Der Tag beginnt noch recht sonnig, spätestens ab Mittag steigt aber die Gewitterneigung auch in der Stadt markant an. Wind weht schwach bis mäßig aus Nordost bis Ost. Frühtemperaturen um 18 Grad, Tageshöchsttemperaturen um 28 Grad.

Burgenland: Zunächst scheint noch die Sonne, tagsüber bilden sich aber hochreichende Quellwolken und die Gewitterneigung nimmt sogar noch etwas zu. Im Norden kommt mäßiger Ostwind auf, sonst ist es meist schwach windig. Frühtemperaturen 16 bis 19 Grad, Tageshöchsttemperaturen 26 bis 29 Grad.

Niederösterreich: Die Gewitterneigung nimmt noch etwas zu. Zunächst scheint noch die Sonne, tagsüber muss aber verbreitet mit Gewittern gerechnet werden. Am geringsten ist die Gewitterneigung voraussichtlich im Waldviertel. Der Wind weht schwach bis mäßig aus Nordost bis Ost. Frühtemperaturen 15 bis 19 Grad, Tageshöchsttemperaturen 25 bis 29 Grad.

Oberösterreich: Am Mittwoch scheint häufig die Sonne, bevor sich im Tagesverlauf vermehrt Quellwolken bilden. Am Nachmittag und Abend steigt das Schauer- und Gewitterrisiko vor allem im südlichen Bergland an, einzelne Gewitter sind aber auch in den anderen Landesteilen nicht ausgeschlossen. Der Wind weht mäßig stark bis lebhaft aus östlichen Richtungen. Die Frühtemperaturen liegen zwischen 13 und 18 Grad, die Höchstwerte erreichen 26 bis 30 Grad.

Salzburg: Am Mittwoch scheint häufig die Sonne, bevor sich im Tagesverlauf vermehrt Quellwolken bilden. Am Nachmittag und Abend steigt das Schauer- und Gewitterrisiko zunächst in den Gebirgsgauen, später auch im Norden des Landes deutlich an. Im Flachgau weht teils lebhafter Ostwind. Die Frühtemperaturen liegen zwischen 9 und 16 Grad, die Höchstwerte erreichen 24 bis 30 Grad.

Steiermark:
Schon am Vormittag stellt sich am Mittwoch im Süden hohe Gewitterbereitschaft ein. Es können wieder teils heftige Gewitter mit Starkregen, Hagel und Windböen dabei sein. Aber auch im Norden muss man ab Mittag mit Gewittern und Regenschauern rechnen. Es bleibt schwül-warm. Frühwerte bei 13 bis 18 Grad. Die Tageshöchsttemperaturen klettern auf 22 bis 28 Grad.

Kärnten: Der Mittwoch bringt in Kärnten schwül-warmes Wetter. Am Vormittag ist es oft noch recht sonnig, sobald sich aber länger die Sonne zeigt, bilden sich auch schon mächtige Quellwolken und in weiterer Folge übers Land verteilt ein paar teils kräftige Regenschauer und Gewitter. Tiefstwerte 11 bis 16 Grad, Höchstwerte je nach Sonnenscheindauer 23 bis 28 Grad.

Tirol: Nach Auflösung einzelner Nebelfelder und Restwolken wird es in ganz Tirol am Vormittag erneut sonnig und schwülwarm. Dann türmen sich wieder vermehrt Quellwolken auf und nachfolgend ist mit lokalen Regenschauern und Gewittern zu rechnen. Sie ziehen kaum weiter und können punktuell kräftig ausfallen. Tiefstwerte: 10 bis 14 Grad, Höchstwerte: 24 bis 28 Grad.

Vorarlberg: Es wird am Vormittag erneut sonnig und schwülwarm. Dann türmen sich wieder vermehrt Quellwolken auf und nachfolgend ist mit lokalen Regenschauern und Gewittern zu rechnen. Sie ziehen kaum weiter und können punktuell kräftig ausfallen. Tiefstwerte: 11 bis 15 Grad, Höchstwerte: 23 bis 27 Grad.