17. Mai 2020 | 16:48 Uhr

gebirge.jpg © Symbolbild (Getty)

Projekt im Pinzgau

Forscher: Klimawandel lässt Felsen im Hochgebirge bröckeln

Drohnen und Lasermessungen bei zehn Jahre langer Forschung auf dem Ödenwinkelkees im Pinzgau.

Uttendorf. Steigende Temperaturen und der Gletscherschwund lassen die Felsen im Hochgebirge bröckeln. Das hat nun ein von der Arge Alp gefördertes Forschungsprojekt bestätigt. Seit zehn Jahren wird auf dem Ödenwinkelkees in 2.500 bis 3.500 Metern Höhe der Einfluss des Übergangsbereichs von Eis zu Fels auf die Stabilität des Gebirges untersucht, berichtete das Land Salzburg in einer Aussendung.
 
Drohnen-Lasermessungen, Kameras und hochsensiblen Sensoren waren bei der Untersuchung im Einsatz. "Nun haben wir gesicherte Daten in der Permafrostforschung und wissen mehr über die Prozesse, die in den sensiblen Zonen an den Randbereichen der Gletscher ablaufen", sagte Projektleiter Gerald Valentin vom Landesgeologischen Dienst. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Ablösungen von Gestein in den unteren Höhenbereichen nehmen durch den Klimawandel zu, sowohl was die Häufigkeit als auch was die Menge betrifft.
 
In den Gletscherrandklüften, den tiefen Spalten im Übergang vom Eis zum Fels, beginnen Destabilisierungsprozesse, sobald die Eisschicht weg ist und das Gestein frei liegt. "Der Gletscher wirkt wie eine Decke, die isoliert und die Temperatur unter null Grad Celsius hält", erklärte Valentin. Labortests hätten gezeigt, dass bei steigenden Temperaturen die Festigkeit des Gesteins signifikant abnimmt. Die Widerstandsfähigkeit eisgefüllter Felsklüfte reduziert sich bei Permafrosterwärmung um bis zu 80 Prozent.
 
Durch das Projekt würden nun wissenschaftlich fundierte Daten vorliegen, um die komplexen Ursachen von Felsstürzen im Permafrost besser verstehen zu können, erläuterte der Geologe. Damit könnten Methoden für die Früherkennung von Felsstürzen entwickelt werden. "Unsere Prognosen werden nun treffsicherer, wie sich die Felsstabilität in hohen Lagen in Zeiten des Klimawandels weiterentwickeln wird", fasst Valentin zusammen. Gefahren und Risiken könnten besser eingeschätzt werden. Das sei vor allem für Infrastrukturanbieter wie Seilbahnen, Stromanbieter oder Hütten von Bedeutung.
 
Die Arbeitsgemeinschaft Alpenländer, kurz Arge Alp, stellte für das mehrjährige Projekt 135.000 Euro zur Verfügung. Weitere Partner sind die Georesearch Forschungsgesellschaft mbH in Wals-Siezenheim, die Universität Salzburg, die Salzburger Imberg Consult GmbH, die Technische Universität München und das Institut für interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

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