13. November 2019 | 09:36 Uhr

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Venedig: Erste Hochwasser-Tote

Das durch heftige Regenfälle ausgelöste Hochwasser in Venedig hat in der Nacht auf Mittwoch zwei Todesopfer gefordert. 

Venedig. Kulturminister Dario Franceschini beobachte "Schritt für Schritt" die Entwicklungen in Venedig, berichtete das Kulturministerium am Mittwoch in Rom.
 
Besondere Sorge galt der Markusbasilika. Das Wasser verursachte unter anderem Schäden am Mauerwerk. Die gesamte Krypta geriet unter Wasser. Nach Angaben des Domprokurators Pierpaolo Campostrini wurden Nachtwachen eingerichtet, um den Wasserpegel zu kontrollieren. Der Eingang des im Jahr 1063 errichteten Wahrzeichens von Venedig ist der tiefste Punkt des gesamten Stadtkerns.
 
Der Markusdom ist in seiner Geschichte seit dem 9. Jahrhundert nur fünf Mal ähnlich heftig überschwemmt worden. Insgesamt nahmen in Venedig die Fälle von "Acqua Alta" in den vergangenen Jahren deutlich zu. Der bisherige Rekord von 1,94 Metern stammt vom November 1966.
 
venedig flut © Marco Bertorello / AFP
 
170 Mal mussten Feuerwehrmannschaften in Venedig und in der Region wegen des Unwetters ausrücken. Wasser drang in die Stromkästen ein, was zu Kurzschlüssen führte. Im Museum Ca Pesaro kam es deswegen zu einem Brand. Der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, sprach von einer "dramatischen Situation".
 
Auch Südtirol war mit den Folgen von Unwettern konfrontiert. In der ganzen Region schneite es heftig. Die Feuerwehrmannschaften rückten über 250 Mal aus, um die Sicherheit auf dem Straßennetz zu garantieren, vor allem in den Bezirken Bozen, Eisacktal und Pustertal. Mehrere Dolomiten-Pässe mussten geschlossen werden. Die Pustertaler Bahnlinie war bis auf Weiteres unterbrochen.
 

Bereits zwei Todesopfer in Venedig

 
Das durch heftige Regenfälle ausgelöste Hochwasser in Venedig hat in der Nacht auf Mittwoch zwei Todesopfer gefordert. Ein 78-jähriger Pensionist starb an einem Stromschlag, da Wasser in seine Wohnung auf der Insel Pellestrina in der Lagune eingedrungen war und einen Kurzschluss ausgelöst hatte, berichtete die Tageszeitung "Il Gazzettino".
 
Ein zweiter Einwohner Pellestrinas wurde ebenfalls tot in seiner Wohnung aufgefunden. Hier wurde allerdings nicht ausgeschlossen, dass er eines natürlichen Todes gestorben ist. Stromausfälle wurden in mehreren Teilen Venedigs gemeldet, auch bei den Telekommunikationsverbindungen kam es zu erheblichen Problemen. Schulen und Kindergärten wurden am Mittwoch geschlossen.
 
 
 
Wegen des starken Sturms zerschellten Boote in den engen Kanälen, viele Gondeln waren schwer beschädigt. Bei den Verbindungen mit den Vaporetti, den Wasserbussen in Venedig, kam es zu erheblichen Problemen. Die Küstenwache musste mehreren Personen und Booten Hilfe leisten. Bürgermeister Luigi Brugnaro prüfte in der Nacht auf Mittwoch an Bord eines Polizeiboots die Lage. Der Markusplatz in der UNESCO-Welterbestadt war vollkommen überflutet. "Das sind die Folgen des Klimawandels. Wir bitten die Regierung in Rom, uns zu unterstützen", sagte der Stadtchef.
 
Kurz vor Mitternacht stieg das Wasser - durch starken Wind - auf 187 cm über dem Meeresspiegel. Das sei der höchste Wert seit der verheerenden Überschwemmung im Jahr 1966, als 194 cm erreicht wurden, teilte die Kommune mit. Danach sollte das Wasser wieder etwas sinken. Für 12.00 Uhr plante der Stadtchef eine Pressekonferenz mit dem italienischen Zivilschutzchef Angelo Borrelli, um die Bevölkerung über die Lage zu informieren.
 
venedig flut © Marco Bertorello / AFP
 
Für Mittwoch war kaum Wetterbesserung in Sicht, in ganz Italien war wie schon seit Tagen Regen angesagt. Von den Unwettern besonders betroffen waren am Dienstag die süditalienischen Regionen Basilikata, Apulien und Kalabrien. In Europas Kulturhauptstadt Matera kam es zu Überschwemmungen in der Altstadt.
 
Die Regenfälle verursachten auch auf der Urlaubsinsel Capri schwere Schäden. Wegen des heftigen Windes stürzte eine Ecke des Gesimses des Glockenturms auf die bekannte "Piazzetta", dem bei Touristen besonders beliebten Hauptplatz von Neapel. Einige Dächer wurden beschädigt. Fährverbindungen zwischen der Insel und Neapel mussten vorübergehend unterbrochen werden. In Teilen der Insel kam es zu Stromausfällen. Auch auf Sizilien gab es Überschwemmungen und kleinere Erdrutsche.