12. November 2015 | 13:20 Uhr

philae95.jpg © AFP

Kometen-Sonde

Letzte Chance auf Kontakt mit "Philae"

Sonde geht langsam die Energie aus - Forscher hoffen auf letzten Kontakt.

Ein Jahr nach der Landung des Minilabors "Philae" auf dem Kometen Tschuri wird die Zeit für eine letzte Kontaktaufnahme mit der verstummten Forschungssonde knapp. Noch bis Samstag und dann erneut Ende November gibt es Kommunikationsmöglichkeiten mit "Philae", wie der technische "Philae"-Manager Koen Geurts am Donnerstag vor Journalisten im Deutschen Raumfahrtzentrum (DLR) in Köln sagte.

Ein mögliches letztes Zeitfenster könnte sich noch in der zweiten Dezember-Hälfte öffnen. "Ab Januar wird es dann langsam schwierig für 'Philae'", fügte Geurts hinzu.

Landung auf "Tschuri"
Der "Philae"-Lander der europäischen Kometenmission "Rosetta" war am 12. November 2014 als erstes von Menschen geschaffenes Gerät weich auf der Oberfläche eines Kometen gelandet. Allerdings kam die kühlschrankgroße Sonde auf dem Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko erst nach mehreren Hüpfern an einer schattigen Stelle abseits des ursprünglich geplanten Landeplatzes zum Stehen. Nach nur 60 Stunden wissenschaftlicher Arbeit fiel "Philae" wegen Energiemangels in einen siebenmonatigen Kälteschlaf.

Erst am 13. Juni meldete sich der Lander erstmals wieder bei seiner Muttersonde "Rosetta", die Tschuri umkreist. Nach weiteren Kontaktaufnahmen verstummte "Philae" am 9. Juli erneut. Allerdings näherte sich "Rosetta", die den Kometen zuletzt in einer Entfernung von 300 Kilometern umkreist hatte, mittlerweile der Oberfläche von Tschuri wieder auf 170 Kilometer, wie "Rosetta"-Flugdirektor Sylvain Lodiot von der Europäischen Weltraumagentur ESA sagte.

Sonde geht die Energie aus
Damit eröffnen sich nun die letzten Chancen für eine Kontaktaufnahme mit "Philae", ehe der Landesonde im Jänner die Energie ausgeht - denn der Komet entfernt sich derzeit wieder von der Sonne. "Wir dürfen die Hoffnung keineswegs aufgeben, in den nächsten Tagen und Wochen noch einmal Kontakt zu erhalten", sagte der "Philae"-Projektleiter Stephan Ulamec vom DLR. Wie groß die Chancen dafür letztlich sind, sei aber nicht einzuschätzen.

"Durch die zunehmende Entfernung von der Sonne wird die zur Verfügung stehende Energie weniger", erläuterte Geurts. Laut DLR sind der Komet und "Philae" derzeit 245 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. Der Lander kann minus 51 Grad Celsius in seinem Inneren vertragen - bei tieferen Temperaturen schaltet er sich nicht mehr ein.

Drei Beine auf dem Boden
Unterdessen mehren sich Hinweise, dass "Philae" seit seiner holprigen Landung auf dem Kometen entgegen bisheriger Vermutungen doch mit allen drei Beinen Kontakt zur Oberfläche hat. Wissenschafter waren bisher davon ausgegangen, dass der Lander ein Bein in den Himmel streckt. Die Messung von Schwingungen, die durch eine Hammersonde von "Philae" ausgelöst wurden, deuten aber nun auf einen Oberflächenkontakt aller Landebeine hin. Diese Schwingungsmessungen waren laut DLR die ersten aktiven seismischen Messungen auf einem Himmelskörper seit der "Apollo 17"-Mondlandemission in den 1970er Jahren.

Während die Mission des "Philae"-Landers im Jänner endet, soll die Muttersonde "Rosetta" noch bis zum September Daten von Tschuri senden. Am Ende der Mission soll möglicherweise auch "Rosetta" auf dem Kometen landen.

 

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