25. März 2016 | 13:10 Uhr

hiseas4.jpg © HI SEAS

Auf Hawaii

Forscherin probt das Leben auf dem Mars

Versuchskaninchen am Fuße des Vulkans Mauna Loa isoliert.

Seit etwas mehr als einem halben Jahr hat Christiane Heinicke keine frische Brise mehr im Gesicht gespürt. Wenn sie nach draußen geht, trennt die Scheibe eines Raumfahrerhelms sie von der Außenwelt. Ihre Atemluft kommt aus der Flasche. Denn: Die 30-Jährige aus Bitterfeld in Deutschland lebt auf dem Mars. Ihr "roter Planet" befindet sich allerdings nicht im Weltall, sondern auf Hawaii.

Dort, am Fuße des Vulkans Mauna Loa, ragt ein strahlend weißer Kuppelbau aus rotem Geröllboden: das Hi-Seas ("Hawaii Space Exploration Analog and Simulation"). Die Physikerin Heinicke und fünf weitere internationale Wissenschafter (aus den USA und Frankreich) simulieren darin das Leben auf dem Mars - für insgesamt 365 Tage. Die Forscher haben sich als eine Art Versuchskaninchen für künftige Trips zum Mars freiwillig gemeldet. Im Sommer 2015 sind sie in den Kuppelbau eingezogen. Etwas mehr als die Hälfte ihrer Zeit darin haben sie hinter sich gebracht.

Zeitversetzte Mail-Kommunikation
"Für mich waren zwei Gründe für die Teilnahme ausschlaggebend: die persönliche Herausforderung und die Möglichkeit, aktiv zur Weltraumforschung beizutragen", schreibt Heinicke. Sie kann nur per Mail Kontakt zur Außenwelt aufnehmen, denn die Kommunikation funktioniert ausschließlich zeitversetzt. Auch vom Mars aus wären Nachrichten 20 Minuten bis zur Erde unterwegs.

Die Forscher leben spartanisch. Sie essen gefriergetrocknete Nahrung, leben in winzigen Kabinen und dürfen nur etwa acht Minuten duschen - pro Woche. Permanent wird die Crew von Kameras überwacht. Die Forscher tragen Sensoren, jeder von ihnen muss täglich mindestens sieben Fragebögen ausfüllen. Terabytes an Datenmaterial hat die Projektleitung außerhalb schon über die Crew gesammelt: Tonaufzeichnungen, Texte und Videos.

Das Ziel der von der NASA geförderten Mission? "Wir gewinnen neue Erkenntnisse darüber, wie ein Raumfahrer-Team zusammengesetzt sein muss", sagt Projektleiter Bryan Caldwell von der University of Hawaii in Manoa. Damit eine Expedition zum Mars gelingen kann, müssen nicht nur körperliche Belastungen ausgehalten werden, sondern auch Konflikte in der Gruppe. Aus dem Weg gehen kann man sich in einer Raumstation schließlich nicht.

Insgesamt bereut Heinicke ihren Forschungstrip nicht. Mühsam sei es aber schon manchmal: "Wir können nicht spontan nach draußen gehen, wenn das schöne Wetter lockt", schreibt Heinicke. Alle Außeneinsätze müssen mindestens 18 Stunden im Voraus angemeldet werden. Und dann geht es im schweren Raumanzug über holpriges Lavagestein.

Wasser aus Bodenverdunstung
Sie selbst ist besonders oft in der kargen Landschaft unterwegs. Heinicke erforscht, wie aus dem Mars-ähnlichen Boden Wasser gewonnen werden kann - eine Fähigkeit, die auch auf einer echten Mars-Exkursion dringend gebraucht würde. "In einer guten Woche gewinne ich durch reine Verdunstung etwa zwei Liter Wasser aus einem Quadratmeter Boden", schreibt sie.

Die Ergebnisse des Mars-Experiments würden nach und nach veröffentlicht, sagt Hi-Seas-Projektleiter Caldwell - die abschließenden Resultate kämen erst an die Öffentlichkeit, wenn die Crew wieder aus ihrer weißen Kuppel ausgezogen sei. Sie soll dadurch nicht beeinflusst werden. Könnte eine Truppe wie die um Heinicke zum Mars fliegen? "Uneingeschränkt ja", sagt Caldwell.
 

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