11. November 2015 | 13:41 Uhr

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Klimageschichte

Rekord: 40.000 Jahre lang nur Regen

Schau des Naturhistorischen Museums Wien zeigt multimediale Zeitreise.

Der bewegten Klimageschichte der Erde und ihren Auswirkungen auf das Leben widmet sich eine neue Sonderausstellung des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien. Die Schau "Planet 3.0 - Klima. Leben. Zukunft" bietet eine multimediale Zeitreise durch 4,5 Mrd. Jahre Erdgeschichte und zeigt auch, wie und woran Wissenschafter in Klimafragen arbeiten. Gezeigt wird die Ausstellung bis 3. April 2016.

Nicht nur das ungewöhnlich milde Herbstwetter, auch die bevorstehende Weltklimakonferenz in Paris rücken den Klimawandel einmal mehr in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Dabei seien "Klimaänderungen nichts Unbekanntes" in der Erdgeschichte, so NHM-Direktor Christian Köberl bei der Präsentation der von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt übernommenen Schau. Der Blick zurück zeige aber auch, "dass die momentan stattfindende Änderung auf völlig anderen Zeitskalen passiert als in der Vergangenheit", nämlich in wenigen Jahrzehnten statt in Jahrtausenden und -millionen.

40.000 Jahre lang nur Regen

Was sich in der 4,5 Mrd. Jahre langen Erdgeschichte getan hat, zeigt die Schau in sieben Stationen. Es beginnt mit der schnell rotierenden glühenden Erdkugel am Beginn ihrer Entstehung und geht weiter bis zur ersten Abkühlung auf unter 100 Grad Celsius, als es zur Wolkenbildung und "40.000 Jahre langen Regenfällen kam, die zur Bildung der Ozeane führten", so Ausstellungskurator Thorolf Müller.

In diesen Ozeanen entstand dann schließlich - wie, weiß man nicht genau - das Leben und die Photosynthese, wodurch es zur Sauerstoffanreicherung in der Atmosphäre kam. Speziell die Stationen, die die frühe Erdgeschichte beleuchten, seien bewusst "theaterhaft, künstlerisch inszeniert, weil es nur wenige Artefakte gibt - bewiesen ist nichts, wir testen Hypothesen", so Müller.

Erste konkrete und noch heute vorhandene Nachweise von Leben gibt es in Form von Stromatolithen, die durch Bakterien gebildet wurden. Sie begannen vor 3,5 Mrd. Jahren, Sauerstoff herzustellen. Weiter geht es in der Klimageschichte mit dem "Schneeball Erde", als im Ediacarium vor rund 635 Mio. Jahren die Erde 15 Mio. Jahre lang extrem kalt und fast komplett unter einem bis zu 1,4 Kilometer dicken Eispanzer begraben war und dennoch Bakterien und vielzellige Lebewesen überleben konnten.

In 150 Jahren Großteil der fossilen Brennstoffe vernichtet
Bei jeder Station wird plakativ ein Tag herausgegriffen, Klima und Leben beschrieben sowie der jeweilige Anteil von Sauerstoff und Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre sowie die Durchschnittstemperatur im Vergleich zu den heutigen Werten dargestellt.

Über das Kambrium, als in warmen Flachmeeren eine vielfältige, teilweise wunderliche Tierwelt entstand, geht die Zeitreise weiter in das Karbon, in dem sich über 300 Millionen Jahre jene Pflanzenwelt bildete, aus der unsere heutigen fossilen Brennstoffe wie Kohle und Erdöl entstanden, "von denen wir in nur 150 Jahren fast 70 Prozent schon vernichtet haben", so Müller.

An der Perm-Trias-Grenze kam es vor 250 Mio. Jahren durch gewaltige Vulkanausbrüche zum größten Massensterben in der Erdgeschichte, dem 95 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten zum Opfer fielen. In der Oberkreide zeigte sich, was das Treibhaus Erde kann: Vor 90 Mio. Jahren war es um zehn Grad Celsius wärmer als heute. Die letzte Station widmet sich den wechselnden Kalt- und Warmphasen im späten Pleistozän, denen auch schon die Vorfahren der Menschen ausgesetzt waren.

Begleitet werden die einzelnen Stationen jeweils von Paläo-Globen, die die Wasser-Land-Verteilung zur jeweiligen Zeit zeigen. Ein großer, von einem Kugelprojektor bespielter Globus zeigt in einer siebenminütigen Show die vielfältigen Wechselbeziehungen des Systems Erde.

Forscher geben Einblicke in ihre Arbeit
Ein zweiter Teil der Ausstellung bietet einen Blick in die Forschungslabore und Arbeit der Wissenschafter, die anhand von Gesteinen, Lebewesen, Böden, Wasser, Eis und Atmosphäre Geschichte und Zukunft des Klimas erforschen. Gezeigt werden etwa eine original "Schlaftomate", in die sich Antarktisforscher zurückziehen können, das Modell einer Windkraftanlage oder ein Tornadosimulator.

Auf den aktuellen Klimawandel und mögliche Zukunftsszenarien geht die Schau nur wenig ein. Köberl sieht das NHM auch nicht als "Warner, aber Institution, die die wissenschaftlichen Fakten auf den Tisch legt". Antworten auf den Klimawandel müsse jeder selbst geben, was man durch Änderungen des Lebenswandels bewirken könne und wolle.
 

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