27. Oktober 2021 | 22:39 Uhr

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Wegen Zigarette

Größter Waldbrand aller Zeiten

Der Jahrhundertbrand versetzt Österreich in Schock.

Hirschwang. Seit Montag tobt am Mittagstein gegenüber der Rax-Seilbahn (NÖ) der größte Waldbrand in der Geschichte des Landes. Es kämpfen Hunderte Einsatzkräfte unermüdlich gegen das Flammeninferno. „Das ist eine Dimension, die wir bisher nur aus dem Fernsehen kannten, und jetzt trifft es uns selbst“, sagte Peter Lepkowicz, Leiter der Forstverwaltung. Die Situation ist dramatisch: 115 Hektar Waldfläche sind vernichtet, ein Ende nicht in Sicht.

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Gefahr. Acht Hubschrauber von Polizei und Bundesheer sind im Dauereinsatz, unter anderem auch zwei „Black Hawk“, die bis zu 3.000 Liter Wasser auf einmal transportieren können. Dazu 300 Feuerwehrkräfte. Weil der Brand im steilen, unwegsamen Gelände ausgebrochen ist, sind Einsätze am Boden kaum möglich. Ein 51-jähriger Wiener Forstarbeiter wurde nach einem Felssturz schwer verletzt.

Wind-Turbo. Nachdem gestern Schneisen geschlagen wurden, wodurch ein Ausbreiten der Flammen vorläufig verhindert werden konnte, wartet auf die Einsatzkräfte am Donnerstag der nächste Großkampftag: Winde bis zu 40 km/h sind voraus­gesagt, Brandüberschläge auf andere Gebiete drohen. „Wenn die Flammen überspringen, wäre das eine Katastrophe“, sagt Landesfeuerwehrsprecher Franz Resperger.

Alarm. Die Bevölkerung in der 2.754-Einwohner-Gemeinde Reichenau ist in Alarmbereitschaft.

Quellwasser. Ist damit auch Wiens Hochquellwasser in Gefahr? Seit Oktober 1873 hat die Wasserleitung im Rax-Gebiet ihren Ursprung, versorgt große Teile der Bundeshauptstadt mit bestem Trinkwasser.

"Zigarette könnte den Brand ausgelöst haben"

ÖVP-Bürgermeister von Reichenau an der Rax, Johann Döller, zur aktuellen Lage.

ÖSTERREICH: Herr Bürgermeister, hat eine Brandstiftung diesen Jahrhundertbrand ausgelöst?

Johann Döller: Es ist von einer fremden Quelle auszugehen, möglicherweise von einer weggeworfenen Zigarette. Der Wind hat dann seinen Teil dazu beigetragen. Brandstiftung war es keine, sonst wäre das Feuer an mehreren Orten ausgebrochen. Die Behörden gehen aber von einer Ausbruchsstelle aus und sind dabei, die Ursache aufzuklären.

ÖSTERREICH: Wie erleben Sie diese schweren Stunden?

Döller: Die Lage ist angespannt, aber wir haben einen Krisenstab eingerichtet und die Situation weitestgehend unter Kontrolle. Jetzt gilt es, im Höllental Maßnahmen zu setzen, um einen Funkenflug auf die Rax zu unterbinden – das wäre eine Katastrophe und die Lage wäre dann unkontrollierbar.

ÖSTERREICH: Wie besorgt ist die Bevölkerung?

Döller: Noch ist das Feuer ein Stück entfernt vom Siedlungsgebiet, der Wind bläst weg von den Häusern. Mit drei, vier Hausbesitzern, die im Falle einer weiteren Ausbreitung betroffen wären, sind wir in Kontakt. Diese Personen könnten wir im Notfall sofort evakuieren.