17. August 2019 | 20:50 Uhr

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Unfassbare Regenmengen

Sturzfluten sorgen für Toten & Chaos in Istanbul

Land unter in der türkischen Metropole. Verheerende Regenfälle brachten die Stadt zum Erliegen.

Der Nordwesten der Türkei wurde von schweren Unwettern heimgesucht. Auch die türkische Metropole Istanbul wurde schwer getroffen. Sintflutartige Regenfälle sorgten für schwere Überschwemmungen. Der öffentliche Verkehr wurde teilweise komplett lahmgelegt. Sogar Sturzfluten wurden gemeldet. Auch ein Todesopfer ist mittlerweile zu beklagen. Ein mutmaßlich obdachloser Mann wurde tot in einer Unterführung entdeckt. Noch ist unklar, ob er dort ertrunken ist - das Wasser stand zwischenzeitlich fast zwei Meter hoch - oder ob er vorher schon bewusstlos war.

Istanbul Überschwemmungen © APA/AFP/OZAN KOSE

Die Flut erreichte auch beliebte Touristen-Hotspots. So wurde auch der Große Basar überschwemmt. Bilder von der Katastrophe zeigen, wie verschiedenste Waren im Wasser treiben. Menschen versuchen dabei verzweifelt noch etwas zu retten. Der Basar ist einer der größten und ältesten (558 Jahre) überdachten Märkte der Welt.

Aufgrund der massiven Unwetter wurde auch der Fährenverkehr in der Metropole eingestellt. Auch der Bosporus wurde gesperrt. Er gilt als einer der wichtigsten Knotenpunkte im Schiffsverkehr. Er verbindet das Schwarze und das Mittelmeer.

Istanbul Überschwemmungen © Getty Images

Istanbul Überschwemmungen © Getty Images

 

In 90 Minuten Regenmenge eines ganzen Winters

Experten erklärten, dass in nur eineinhalb Stunden die selbe Menge Regen gemessen wurde, wie sonst einen ganzen Winter über. Laut der Behörden gingen fast 3.000 Notrufe ein. Die Türkei litt in den letzten Tagen unter einer Hitzewelle. Meteorologen prognostizierten bereits heftige Regenfälle - auch für die Hauptstadt Ankara. Die Temperaturen sollen nun zwischen fünf unf zehn Grad fallen.

Istanbul Überschwemmungen © Getty Images

Istanbul Überschwemmungen © Getty Images

Erdbeben: Istanbul als seismische Zeitbombe

Dies ist aber nicht die einzige Gefahr in Istanbul. Die Stadt ist eine der am stärksten von Erdbeben gefährdete der Welt. Der Vorsitzende der Bauingenieurskammer, Nusret Suna, warnt, dass sie auch heute nicht für ein weiteres großes Beben gewappnet sei. Das Epizentrum könnte dann aber direkt vor Istanbul liegen.

Große Beben gab es auch früher schon und viele - beim letzten 1999 starben im Großraum Istanbul 18.000 Menschen - aber die Epizentren tasten sich im aktuellen Erdbebenzyklus entlang der Nordanatolischen Verwerfungslinie immer weiter an Istanbul heran. Die mehr als 1.000 Kilometer lange Verwerfung, in der zwei große Erdplatten aneinanderstoßen, läuft quer durch die nördliche Türkei und "ist mit einer ganzen Serie von Beben seit 1939 von Osten nach Westen immer weiter aufgerissen - wie ein Reißverschluss", erklärt Heidrun Kopp vom Kieler Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung.
 

1999 lag Epizentrum noch fast 100 Kilometer entfernt

Beim großen Beben vor 20 Jahren lag das Epizentrum noch fast 100 Kilometer östlich von Istanbul. Diesmal erwarten die Forscher, dass es unter dem Marmarameer liegen könnte - direkt vor Istanbul. Heidrun Kopp hat erst im Juli eine Studie veröffentlicht, in der die Rede ist von erheblichen tektonischen Spannungen unter dem Marmarameer. Sie würden reichen, um ein Beben der Stärke 7,1 bis 7,4 auszulösen, schrieben sie und ihre Kollegen im Fachblatt "Nature Communications".

Es gibt für die Erdbebensicherung zwar ein Stadterneuerungsprojekt, aber das habe die Regierung vor allem genutzt, um Profit zu machen und den Bausektor anzukurbeln, kritisiert Nusret Suna von der Bauingenieurskammer. Er zeichnet ein apokalyptisches Bild: Geschätzt eine Million Gebäude in Istanbul seien nicht sicher.
 

Verheerende Folgen

Die Katastrophenschutzbehörde Afad will sich zum aktuellen Stand der Planungen nicht äußern, aber man weiß dort von der Gefahr. Ein Bericht der Nachrichtenagentur DHA hatte im Sommer 2018 die Ergebnisse eines Workshops mit der Stadtverwaltung geschildert. Darin wird der Leiter der Afad-Abteilung für Erdbeben mit den Worten zitiert, dass bei einem Beben der Stärke 7,6 allein in Istanbul 26.000 bis 30.000 Menschen getötet werden könnten. Rund 2,4 Millionen Menschen wären ohne Dach über dem Kopf. Freiflächen, auf denen sich die Menschen versammeln können, seien vorbereitet.