25. Juli 2018 | 23:20 Uhr

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Feuersbrunst in Griechenland

ÖSTERREICH in der Flammenhölle

oe24.TV-Reporter Felix Aschermayer und Sebastian Spanner berichten aus Griechenland.

Mati, am Tag nach der Katastrophe, ein Geisterort: verkohlte Autos, verkohlte Wälder, Häuser wie Skelette. Es riecht nach Rauch, die Sonne glüht wieder, die Flammen sind größtenteils gelöscht: „Hier war die Hölle los“, erzählt eine junge Frau. Sie schleppt Mineralwasserflaschen, ihr Haus haben die Flammen verschluckt: „Innerhalb weniger Stunden fraß das Feuer unser Dorf“, sagt sie: „Es ist so schnell gegangen. Erst dachten wir, es sei nur der Wind, dann der Feuersturm.“

Bewohner wie Touristen sind ins Meer geflüchtet, einfach nur weg. Irgendwie. Eine andere Chance hatten sie nicht, jeder Weg war versperrt, wird erzählt: „Wir standen vier Stunden im Wasser. Über uns der beißende Rauch. Hier haben wir gewartet, bis ein Boot kommt. Wir wussten nichts, haben kaum was gesehen, kein Handy funktionierte.“

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Kleid des Kindes brannte, Mädchen stürzte in den Tod

Inferno. Feuerwehrmänner räumen jetzt die Reste weg, gehen von Haus zu Haus, suchen nach vermissten Bewohnern (siehe Kasten rechts). Die Berichte, die sie liefern, sind dramatisch. Einer erzählt, er habe in einem verbrannten Auto die verkohlten Leichen des Lenkers und der Beifahrerin gesehen. Auf den Rücksitzen die beiden Kinder, die in letzter Sekunde ihre Hände um den Hals ihrer Eltern geklammert hatten – verkohlt.

Eine Frau schildert, dass sich ein etwa 13 Jahre altes Mädchen über einen Steilhang gestürzt hat: „Ihre Kleider brannten. Das Flammeninferno hinter ihr. Sie stürzte in die Tiefe und war auf der Stelle tot.“

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Für die Überlebenden muss es nun weitergehen. Es gibt keine Toiletten, keine Betten, keine Zelte. Hotels haben zwar ihre Türen geöffnet, aber Organisation gibt es keine. Die größte Sorge der Menschen aber ist: „Wird der Staat für den Schaden aufkommen?“, fragen sie. Versicherung gibt es in kaum einem Fall.

Die Strom- und Wasserversorgung, das Telefon und Internet sind weitgehend unterbrochen. Es könnte Wochen dauern, bis die Infrastruktur einigermaßen wieder intakt ist, schätzen Bürgermeister der Region. Tausende Häuser sind unbewohnbar und müssen abgerissen werden. Es wird Monate dauern, bis sich die Bewohner hier vom Schock erholt haben.

3.000 Häuser zerstört - auch Österreicher unter Opfern

Dutzende Menschen sind bei Flucht in Autos verbrannt – die verheerende Bilanz.

Es ist schon jetzt die schlimmste Feuerkatastrophe, die jemals Griechenland heimgesucht hat: 80 Tote, mehr als 3.000 Häuser ausgebrannt, weitere 1.000 beschädigt, nicht bewohnbar. Allein im Ferienort Mati und in der benachbarten Hafenstadt Rafina sind bisher 79 Todesopfer entdeckt worden, so Feuerwehrsprecherin Stavroula Maliri. Aber: Noch immer sind Dutzende vermisst.

Griechenland Waldbrände © APA/AFP/VALERIE GACHE

Mati ist ein kleiner Ort, er liegt an einem Hang. Viele der Opfer in Mati wurden in ihren Autos entdeckt, mit denen sie vor dem Inferno hatten fliehen wollen. Sie starben, weil sie in die falsche Richtung flüchteten: Helfer schickten sie im Chaos in Richtung Hafen, anstatt hinauf zur Hauptstraße. Das war für viele das ­Todesurteil. Sie wurden in ihren Autos eingekesselt, konnten weder vor noch zurück. Auch eine Flucht zu Fuß ging nicht mehr. Kinder klammerten sich an ihre ­Eltern: „Eine unfassbare ­Tragödie“, so die Helfer.

Griechenland Waldbrände © Getty Images

Geretteter Grazer: "Wir hatten ein Riesenglück"

Vermisst. Am Mittwoch gingen bei der Feuerwehr in Mati Dutzende Anrufe von Menschen ein, die ihre Angehörigen suchten. Ob die Betreffenden unter den 79 Toten seien, sei wegen des Zustands der Leichen nicht zu beantworten, so die Helfer.

Nie zuvor hatte sich ein Brand so schnell ausgebreitet. Insgesamt 187 Menschen wurden mit schweren Verletzungen in Spitäler gebracht, unter ihnen ein Dutzend Kinder.

Griechenland Waldbrände © APA/AFP/ANGELOS TZORTZINIS

Gerettete.
Österreicher wurden nach derzeitigem Kenntnisstand nicht verletzt oder getötet. Der Grazer Konstantinos Tzivanopoulos kam mit dem Schrecken davon: „Das Feuer raste in nur 20 Minuten 500 Meter weit auf uns zu“, sagte er zu ÖSTERREICH.

„Der starke Wind wirbelte Funken durch die Luft. Landet einer auf Haar oder Kleidung, wird es gefährlich.“ Das Feuer verschonte das Haus seiner Familie. „wir hatten alle ein Riesenglück. Rundherum sind die Grundstücke verbrannt“, berichtet er.