10. September 2017 | 10:04 Uhr

Irma Bahamas Long ISland Beach © Twitter

Gewaltige Kräfte

„Irma“ verschluckt Ozean vor den Bahamas

Der Monster-Hurrikan sorgte für ein seltenes Phänomen.

Während Florida das nächste Ziel von "Irma" ist, stehen mehrere Inseln in der Karibik buchstäblich vor einem Scherbenhaufen. Land unter, viele Zerstörungen - nun auch noch Plünderungen. Und der nächste Hurrikan ist schon im Anmarsch.

Vor den Bahamas sorgte der Monster-Hurrikan „Irma“ allerdings auch für ein seltenes Naturschauspiel. Denn der Ozean am sonst so schönen Long Island Beach auf der Insel schien plötzlich verschwunden zu sein. Auf Twitter kursieren Bilder, die eine trockene Wüste zeigen. Stunden zuvor war hier noch Meer.

 


 

 


 

Kaum zu glauben, aber wahr. Die Wucht „Irmas“ ist derart groß, dass sie mehrere Tausend Liter Wasser verschlucken kann. Vorstellen kann man sich das so: Die Kraft des Hurrikans ist so stark, dass er das Wasser um sich in das Zentrum des Sturms zieht und somit sogar die Form des Ozeans verändert.

Die Menschen konnten ihren Augen nicht trauen. Viele dachten sofort an einen Tsunami, aber das verlorene Wasser kam bei diesem Naturschauspiel nicht mit einer solchen Wucht zurück. Rund zwölf Stunden nach den ersten Aufnahmen war der Meeresspiegel wieder ganz normal.

 


 

Inseln vor dem Scherbenhaufen

Auch Kuba wurde von „Irma“ heimgesucht. Cayeria Norte ist eines der traumhaftesten Urlaubsziele in Kuba: türkisfarbenes Wasser, weiße Sandstrände. Nun sind die Luxushotels verwaist - sie wurden evakuiert. Umgeknickte Palmen, abgedeckte Häuserdächer und starke Überschwemmungen prägen in der Region die Szenerie, nachdem "Irma" mit Geschwindigkeiten von rund 250 Stundenkilometern auch in Teilen Kubas gewütet hat.

Am berühmten Malecon in Havanna sind zahlreiche Gebäude an der Uferpromenade verbarrikadiert worden, es wurden Wellen von bis zu neun Metern erwartet. Der Katastrophenschutz ist Hurrikan-erprobt. Doch auch auf der kommunistischen Insel sind die Schäden groß, ganze Landstriche sind überschwemmt. Es wird lange dauern, bis die verheerenden Schäden durch "Irma" in der Karibik beseitigt sind.

Mindestens 24 Tote

Mindestens 24 Menschen starben bisher durch den stärksten je gemessenen Hurrikan über dem Atlantik, mehrere Inseln stehen vor der "Stunde null". Eine der wenigen positiven Nachrichten ist, dass das bettelarme, gegen diese Katastrophen nicht gewappnete Haiti dieses Mal nicht heimgesucht worden ist. Sonst wäre die Opferzahl weit höher. Luftbilder zeigen riesige Überschwemmungen, gerade auf der besonders stark getroffen Insel Barbuda, die zum Mini-Staat Antigua und Barbuda gehört. Aber auch die zwischen den Niederlanden und Frankreich geteilte Insel Sint Maarten/Saint-Martin hat es besonders schwer erwischt, zwischen 70 und 95 Prozent der Gebäude und Infrastruktur seien zerstört worden, erklären die Behörden.

Barbuda habe anteilig die größten Schäden erlitten, sagt James Daniell vom Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die Gesamtschäden in der Karibik könnten sich auf zehn Milliarden US-Dollar belaufen - und der wichtige Devisenbringer, der Tourismus, droht monatelang auszufallen. "In den vergangenen hundert Jahren haben die wirtschaftlichen Schäden durch Naturkatastrophen pro Jahr - absolut gesehen - zugenommen", so Daniell, der ein Modell zur Berechnung von Schäden durch Naturkatastrophen entwickelt hat.

Plünderungen in Katastrophengebiete

Sorgen bereiten zudem Berichte über anarchische Zustände in Sint Maarten/Saint-Martin, in beiden Inselteilen sollen Plünderer unterwegs sein. Es gebe Prügeleien um Fernseher oder Ventilatoren, berichtete eine Bewohnerin von Saint-Martin. "Ich sehe auf der Straße junge Menschen mit Macheten." Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte am Samstag eine Verdoppelung der Militär- und Polizeikräfte an, "um die Sicherheit schnell zu stärken".

So sollen unter anderem 240 zusätzliche Polizisten in die französischen Überseegebiete geschickt werden. Zu allem Übel ist schon der nächste Hurrikan "José" im Anmarsch. Daher gilt es, rasche Hilfe zu organisieren. Kurz vor der Schließung des Flughafens Miami im US-Bundesstaat Florida startete noch ein Flugzeug mit 55 Tonnen an Hilfslieferungen für die Menschen auf Barbuda, darunter Sperrholz, Nägel, Taschenlampen, Babybetten, Planen und Dosennahrung, wie der "Antigua Observer" berichtete.

Längst hat die Debatte eingesetzt, warum es zu so zerstörerischen Hurrikans kommt. Die Umweltorganisation Germanwatch spricht von einem "Weckruf für entschiedene Klimapolitik". Eine ganz besondere These vertritt Boliviens Präsident Evo Morales. Der Sozialist gibt dem Kapitalismus und insbesondere den Treibhausgasausstößen der USA die Schuld. "Die Zerstörungen durch die Hurrikans werden verursacht durch die Luftverschmutzungen des Kapitalismus", meint Morales.

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