26. Juli 2023 | 10:09 Uhr

Hitze Schwitzen © Getty

Extremwetter am Mittelmeer

Hitze wird immer brutaler: 46 Grad in Südeuropa

Keine Entwarnung: In Griechenland werden am Mittwoch 46 Grad erwartet.

 In Algerien gibt es viele Tote nach Bränden, in Italien mindestens ein Todesopfer nach schweren Unwettern - und in Griechenland wird es noch heißer: Viele Länder am Mittelmeer kämpfen noch immer gegen die Folgen des extremen Wetters. Feuerwehren kämpfen gegen Wald- und Flächenbrände. Ein Löschflugzeug stürzte dabei während eines Einsatzes auf der griechischen Insel Euböa ab, zwei Piloten starben. Auf Rhodos sprachen Einsatzkräfte am Dienstag von einer schwierigen Lage.

Von dort wurden weitere Touristen ausgeflogen. "Wir erleben die schwierigsten Tage dieses Sommers", sagte ein Sprecher der Feuerwehr aus der Zentrale des Zivildienstes in Athen. In fast allen Regionen des EU-Landes bleibe die Brandgefahr groß. Hilfe bekommen die Einsatzkräfte aus elf EU-Staaten. Besonders betroffen ist Rhodos. Dort brach ein drittes Feuer im Südosten aus. Meterhohe Flammen breiteten sich in Richtung des bereits evakuierten Dorfes Gennada aus.

Enorme Schäden

Nach ersten Schätzungen von Experten sind bei den jüngsten Bränden auf Rhodos etwa 150 Quadratkilometer Wald und landwirtschaftlich genutztes Land zerstört worden. Im Südosten von Rhodos brennt es seit vergangener Woche - am Samstag mussten rund 19.000 Touristen und Einwohner aus Hotels und Dörfern vorsorglich in Sicherheit gebracht werden. Viele von ihnen sind inzwischen abgereist, manche noch in Notunterkünften wie Turnhallen und Schulen untergebracht. Der beliebte Strandort Gennadi drohte unterdessen dem Feuer zum Opfer zu fallen, Flammen ergriffen bereits mehrere Häuser und Lagerhallen. Freiwillige Helfer und Dorfbewohner haben am Dienstagabend das Dorf im Südosten der Insel Rhodos bis auf weiteres aufgegeben. Die Feuerwehr kämpfte jedoch weiter gegen die Flammen.

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100 österreichische Urlauber auf der griechischen Insel Rhodos wurden mithilfe des Außenministerium bereits aus dem Brandgebiet evakuiert, derzeit befindet sich keine Österreicherin bzw. kein Österreicher mehr in den betroffenen Bereich der Insel. Ein eigens in Wien eingerichteter Krisenstab unter der Leitung des Generalsekretärs im Außenministerium, Peter Launsky-Tieffenthal, ist in ständigem Kontakt mit den österreichischen Touristen sowie den Reiseveranstaltern und Fluglinien. Das Team in der österreichischen Botschaft in Athen und auf Rhodos wurde verstärkt.

"Wir verstehen die Sorge der Menschen in den betroffenen Gebiet, aber auch jenen, die überlegen, ob sie fliegen sollen", sagte Launsky-Tieffenthal im APA-Gespräch. Seit dem Wochenende gab es 250 Anrufe unter der Notfallnummer im Ministerium. Manche Gebiete mussten aufgrund erneutem Aufflammen der Brände erneut evakuiert werden

34 Tote in Algerien

Mit den Folgen von Trockenheit und Hitze haben auch andere Regionen Griechenlands zu kämpfen. Auf Korfu geriet ein seit Tagen tobender Brand außer Kontrolle. Auf der Insel Euböa im Nordosten Athens toben rund um die Hafenstadt Karystos Brände, die Dörfer bedrohen. Dort stürzte ein Löschflugzeug ab, zwei Piloten starben.

Im nordafrikanischen Algerien stieg nach Angaben von Montagabend die Zahl der Todesopfer bei den Bränden auf 34. Rund 1.500 Menschen wurden in Dörfern in Sicherheit gebracht. Dem Innenministerium zufolge waren 8.000 Kräfte im Einsatz, um die Brände zu löschen. Sie wüteten am Montag unter anderem in der algerischen Region Beni Ksila östlich der Hauptstadt Algier. Die Flammen breiteten sich angesichts starker Winde schnell auch auf andere Regionen des Landes aus.

Brände gab es zum Beispiel auch im benachbarten Tunesien, in der Türkei im Raum Antalya und auf der italienischen Mittelmeerinsel Sizilien. Dort sind insbesondere der Norden und die Hauptstadt Palermo betroffen. Der Flughafen war deswegen zeitweilig gesperrt.

Schwere Unwetter in Italien

Im Norden Italiens gingen unterdessen schwere Unwetter nieder. Die Metropole Mailand sowie große Teile der Lombardei waren in der Nacht zum Dienstag betroffen. Es kam zu starken Sturmböen, schweren Hagelschauern und Regenfällen. Eine 16-Jährige starb, nachdem sie in einem Pfadfinderlager in der Provinz Brescia von einem umfallenden Baum getroffen wurde, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

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Ein 98-jähriger Mann starb in Cardeto in der süditalienischen Region Kalabrien an den Folgen eines schweren Brandes. Der bettlägerige Mann starb in den Flammen, die das Landhaus, in dem er lebte, erfasst hatten. Seine Tochter und sein Schwiegersohn wurden leicht verletzt, konnten aber gerettet werden, berichteten italienische Medien.

In Mailand geriet ein Passagierflugzeug der US-Gesellschaft Delta Air Lines kurz nach seinem Start in ein Unwetter und musste seinen Flug abbrechen. Der Flug mit Ziel New York wurde laut Ansa nach Rom umgeleitet, wo die Maschine sicher landete. Italienischen Medienberichten zufolge wurde die "Nase" der Maschine beschädigt, ebenso ein Teil der Tragflächen und mindestens eines der beiden Triebwerke. Auch das Cockpitfenster habe Risse davongetragen.

Bis zu 46 Grad

Am Mittelmeer müssen sich Einheimische und Urlauber noch einmal auf extreme Hitze einstellen, bevor es dann etwas abkühlt. In Griechenland werden laut Wetteramt am Dienstag und vor allem am Mittwoch in einigen Teilen des Landes Temperaturen deutlich über 40 Grad herrschen, im Westen gar mehr als 46 Grad. Am Donnerstag wird dann eine Abkühlung auf etwa 35 Grad erwartet.

In Italien wird damit gerechnet, dass die Temperaturen ab Mittwoch landesweit zurückgehen. Den aktuellen Daten des privaten Wetterdienstes ilmeteo.it zufolge sollen in der Hauptstadt Rom etwa knapp über 30 Grad, im Süden des Mittelmeerlandes bis zu 34 Grad erreicht werden. Etwas angenehmer soll es auch in der Türkei werden.

Die Hitzewellen wie aktuell in Südeuropa und dem Südwesten der USA wären laut einer Studie ohne den von Menschen gemachten Klimawandel so gut wie unmöglich. Das geht aus einem Bericht der Initiative World Weather Attribution hervor. Demnach sind extrem hohe Temperaturen über einen längeren Zeitraum keine seltenen Ereignisse mehr, sondern dürften in Südeuropa im Schnitt alle 10 Jahre auftreten, in den USA und Mexiko alle 15 und in China alle fünf Jahre.