03. Oktober 2020 | 16:02 Uhr

baum.jpg © FF Landscha

Heftige Föhnböen und Unwetter

Sturm zieht Spur der Verwüstung: Ramsau nicht erreichbar

Ein Sturmtief zieht heute über Österreich und sorgte bereits für Schäden: Bäume wurden entwurzelt und Dächer abgedeckt.

Wien/Innsbruck/Salzburg. Der Föhnsturm hat auf einigen Bergen wie erwartet Orkanstärke erreicht. An den ZAMG-Wetterstationen Patscherkofel (Tirol, 2.251 m) und Rudolfshütte (Salzburg, 2.317 m) wurden in der Nacht auf Samstag Windspitzen bis 160 km/h gemessen, berichtete die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik. In tiefen Lagen wurden in Innsbruck, Bad Gastein und Abtenau Spitzen zwischen 90 und 100 km/h festgestellt, in der Stadt Salzburg, in Golling, Saalbach und Schröcken 70 bis 80 km/h.
 
Mit einer kräftigen Südströmung stauten sich Regenwolken an der Südseite der Alpen und hier regnete es zum Teil stark. An der Wetterstation Kötschach-Mauthen kamen in 24 Stunden (Freitagfrüh bis Samstagfrüh) 90 Millimeter Regen zusammen, in Dellach im Drautal 70 Millimeter. Zum Vergleich: In einem durchschnittlichen gesamten Oktober fallen in Kötschach-Mauthen 186 Millimeter Niederschlag, in Dellach 147 Millimeter.
 

 

Unwetter und umstürzende Bäume in der Obersteiermark

Graz/Klagenfurt. Unwetter mit Sturm und Gewitter haben am Samstag in der Obersteiermark für Schäden gesorgt. Ersten Meldungen der Polizei zufolge wurden zum Beispiel entlang der Gesäuse Straße (B146) Bäume entwurzelt, sie stürzten auf die Oberleitung der Rudolfsbahn. Straße und Bahnstrecke waren zumindest vorübergehend gesperrt. Die Polizei appellierte auf APA-Anfrage an die Menschen, während des Sturms auf nicht notwendige Fahrten mit dem Auto zu verzichten und zu Hause zu bleiben.
 
Auf einem Parkplatz nahe des Gleinalm Tunnels bei St. Michael in der Obersteiermark (Bezirk Leoben) wurde ein Lkw von einem umstürzenden Baum getroffen. Ramsau am Dachstein war kurzzeitig über den Straßenweg nicht erreichbar. Von Behinderungen bzw. einer Sperre betroffen war am Nachmittag auch die Buchauer Straße (B117) beim Buchauer Sattel.
 
Wegen Straßensperren ist der Ort Ramsau am Dachstein ist über den Straßenweg derzeit nicht erreichbar.
 
In Kärnten gab es bis zum Nachmittag nur sehr vereinzelt Unwettereinsätze.

Feuerwehreinsätze und Sperren in Salzburg und OÖ

Salzburg/Linz (APA) - Der Föhnsturm in den Bergen von Salzburg und Oberösterreich hat am Samstag für etliche Feuerwehreinsätze gesorgt. In Salzburg rückten bis kurz vor 14.00 Uhr 27 Feuerwehren zu 46 Einsätzen aus, berichtete das Landefeuerwehrkommando. Mehr als 400 Mann waren - vor allem im Pinzgau und im Tennengau - etwa damit beschäftigt, Verkehrswege von umgestürzten Bäumen zu befreien und Dächer zu sichern. Zudem mussten vereinzelt gekappte Stromleitungen repariert werden.
 
Während der Sturm in den Föhnstrichen Salzburgs für Temperaturen jenseits der 25 Grad Celsius sorgte und ab dem frühen Nachmittag bereits schwächer wurde, häuften sich die Alarmierungen im südlichen Oberösterreich. Neben Einsätzen in den Bezirken Gmunden und Kirchdorf mussten sowohl die Straßen- wie die Bahnverbindung am Koppenpass gesperrt werden, hieß es vonseiten des Landesfeuerwehrverbands OÖ zur APA.
 
"Der Föhn wird am Abend aber kaum noch spürbar sein", sagte eine Meteorologin der ZAMG zur APA. Der Wind werde in Oberösterreich dabei einige Stunden länger anhalten als in Salzburg. "Zusammenbrechen wird der Föhn heute aber nicht." So seien am Sonntag etwa in den Hohen Tauern erneut Windspitzen von 70 bis 80 km/h möglich.
 

 

Zwei 15-jährige Segler gerieten am Zeller See in Seenot

Zell am See. Wegen des Föhnsturms in den Salzburger Bergen sind am Samstagvormittag zwei 15-jährige Burschen am Zeller See in Seenot geraten. Den beiden jungen Seglern war es bei Windspitzen von bis zu 93 km/h nicht mehr gelungen, mit ihrem Katamaran das Ufer zu erreichen. Bei einem Wendemanöver kenterte das Boot schließlich. Wegen eines bereits laufenden Einsatzes wurde ein Wasserretter aber sofort auf die Notlage der Jugendlichen aufmerksam.
 
Trotz widriger Bedingungen - es herrschte Windstärke 7 bis 8 mit starkem Wellengang - gelang es einem Boot der Wasserrettung und einem Boot der Polizei, die beiden 15-Jährigen rasch zu erreichen. "Die Wellen waren zu diesem Zeitpunkt gut einen bis 1,50 Meter hoch", sagte Michael Kling von der Wasserrettung des Samariterbunds zur APA. Die zwei Segler konnten unverletzt geborgen und ihr gekenterter Katamaran ans Ufer gezogen werden.
 
Die Einsatzkräfte waren ursprünglich alarmiert worden, weil ein am Ufer festgemachtes Boot durch Wind und Wellen vollzulaufen drohte. "Wir haben das Boot ausgepumpt und herausgehoben", sagte Kling. Und wie die Polizei berichtete, konnte auch ein mit zwei Insassen besetztes Ruderboot noch sicher durch das Polizeiboot ans Ufer geleitet werden.
 

 

Mehrere Notfälle durch Föhnstürme in Tirol

Innsbruck. Föhnstürme haben am Freitag und auch noch Samstagfrüh die Einsatzkräfte im Großraum Innsbruck auf Trab gehalten. In Rum wurde ein zwölfjähriges Mädchen von einem umstürzenden Baum getroffen, es kam laut Polizeiangaben mit leichten Verletzungen davon.
 
Das Mädchen hatte sich gegen 19.35 Uhr vor einer Wohnanlage aufgehalten, seine Mutter wurde durch einen Schrei aufmerksam und entdeckte ihre Tochter unter dem umgestürzten Baum mit einem Stammdurchmesser von rund 20 Zentimetern. Die Zwölfjährige wurde in die Universitätsklinik Innsbruck eingeliefert und befand sich am Samstag vorläufig noch dort zur weiteren Beobachtung.
 
Glimpflich waren bereits am Freitagnachmittag zwei wetterbedingte Notlandungen von Sportsegelfliegern verlaufen. Zwei deutsche 20-Jährige, die von Garmisch (Deutschland) aus zu einer Inntal-Runde gestartet waren, mussten ihren Flug bei Kematen (Bez. Innsbruck-Land) abbrechen und auf einem Feld niedergehen. Ein 43-jähriger Segelfliegerpilot aus Innsbruck musste wenig später zur Außenlandung auf einem Feld zwischen Rum und Thaur (Bez. Innsbruck-Land) ansetzen. Die Flugzeuginsassen blieben jeweils unverletzt.
 
Das Föhnwetter hielt Samstagfrüh an und sorgte für zahlreiche Feuerwehreinsätze wegen herabfallender Äste. Personen- oder größere Sachschäden wurden vorläufig nicht verzeichnet.