17. Februar 2022 | 16:52 Uhr

APA-HANDOUT--NIEDERÖSTERREICH-STURM---SITUATION-IM-RAUM-SCHÖNAU-A.D.jpg © APA/FF SCHÖNAU A.D.TRIESTING/CHRISTOPHER NEUMAYER

167 km/h Sturmböen

Sturm-Chaos: Unfälle, Schäden, Stromausfälle

Alleine in Niederösterreich waren mehr als 2.000 Feuerwehrleute im Einsatz. Sturm-Schäden auch im nördlichen Salzburg und in Teilen Oberösterreichs.

St. Pölten. Sturmtief "Ylenia" hat Niederösterreichs Helfern einen unruhigen Donnerstag beschert. An rund 220 Einsätzen waren 2.200 Mitglieder von 190 Feuerwehren beteiligt, teilte Franz Resperger vom Landeskommando mit. Vom starken Wind betroffen waren alle Landesteile. Das Hauptproblem stellten umstürzende Bäume dar, die in mehreren Regionen für durchaus brenzlige Situationen sorgten. 

Nahe dem Bahnhof Gars am Kamp (Bezirk Horn) ist am Nachmittag ein Triebwagen der Reihe 5047 mit einem Baum kollidiert. Das erste Drehgestell ist dadurch entgleist, teilte ÖBB-Sprecher Christopher Seif auf Anfrage mit. Die etwa 30 Fahrgäste seien unverletzt geblieben. Der Zug war in Richtung Horn unterwegs.

Schienenersatzverkehr eingerichtet

Nach dem sturmbedingten Unfall wurde ein Schienenersatzverkehr im Streckenabschnitt Gars - Plank am Kampf eingerichtet. Der ÖBB-Sprecher ging davon aus, dass die Maßnahme bis zum Betriebsschluss am Donnerstag aufrecht bleibt. Der Triebwagen müsse mit maschineller Unterstützung wieder ins Gleis gestellt werden.

In Raabs a. d. Thaya (Bezirk Waidhofen a. d. Thaya) stürzte ein Baum auf das Dach des Restaurants eines Hotelbetriebes. Gäste waren wegen einer vorübergehenden Schließung aufgrund von Umbauarbeiten nicht an Ort und Stelle, berichtete das Bezirkskommando. Es gab keine Verletzten. Ebenfalls von Bäumen getroffen wurde ein Wohnhaus in Gastern im selben Bezirk sowie ein Garagendach in Raabs a. d. Thaya.

apa3.jpg © APA/AFK RAABS/THAYA Baum stürzte auf Hausdach im Bezirk Waidhofen an der Thaya.

Südautobahn (A2) vorübergehend gesperrt

Vorübergehend gesperrt war am Vormittag die Südautobahn (A2) im Bereich der Anschlussstelle Industriezentrum NÖ-Süd. Resperger zufolge war der Anhänger eines Lkw von einer heftigen Sturmböe erfasst und umgeworfen worden. Den eintreffenden Helfern bot sich ein spektakulär anmutendes Bild, schwebte doch die Hinterachse des Zugfahrzeuges quasi in der Luft. Der Lenker blieb unverletzt. Von Kfz und Anhänger blockiert wurden alle vier Spuren der Richtungsfahrbahn Graz. Die Aufräumarbeiten, bei denen auch ein Kranwagen des Landesfeuerwehrverbandes zum Einsatz kam, dauerten rund eineinhalb Stunden. Aufgrund der Sperre der A2 bildete sich kilometerlanger Stau.

APA-HANDOUT--NIEDERÖSTERREICH-STURM---LKW-AUF-A2-UMGEKIPPT-=.jpg © APA/FEUERWEHR WIENER NEUDORF Auf der Südautobahn (A2) ist im Bereich der Anschlussstelle Industriezentrum NÖ-Süd ein Lkw umgekippt.

Allein 60 Einsätze gab es im Bezirk Amstetten. Nach Angaben von Feuerwehrsprecher Philipp Gutlederer sind etwa an der Westautobahn (A1) bei St. Valentin Bäume umgestürzt. Auch über den Raum Baden fegte das Sturmtief "Ylenia" hinweg. Bei Schönau a. d. Triesting wurde ein Sattelzug regelrecht von der Fahrbahn der B17 gedrückt. Die Bergung des Kfz erfolgte laut Bezirksfeuerwehrkommando mithilfe von zwei Seilwinden.

apa1.jpg © APA/BFKDO AMSTETTEN Feuerwehreinsatz im Bezirk Amstetten.

apa2.jpg © APA/FF SCHÖNAU A.D.TRIESTING/CHRISTOPHER NEUMAYER Schönau a.d.Triesting (NÖ): Sattelzug von der Fahrbahn gedrückt.

20.000 oö. Haushalte vorübergehend ohne Strom

Linz. In Oberösterreich hat der Sturm mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h Donnerstagvormittag zu einer Reihe von Stromausfällen geführt. Verteilt über das Bundesland waren zwischen 15.000 und 20.000 Haushalte vorübergehend ohne Strom, teilte ein Sprecher von Netz OÖ mit. Von 8.00 bis 16.00 Uhr waren laut Landesfeuerwehrkommando 262 Wehren mit 4.500 Männern und Frauen zu 700 Einsätzen ausgerückt.

Umgestürzte Bäume oder abgeknickte Äste auf Freileitungen hatten zu den Stromausfällen geführt. So mussten Feuerwehren auch immer wieder Personen aus steckengeblieben Aufzügen befreien. In Sierning (Bezirk Steyr-Land) wurde ein Kleinlaster von einer Sturmböe erfasst und auf das Dach geschleudert. Der verletzte Fahrer wurde aus dem eingeklemmten Fahrzeug geborgen. In Ohlsdorf (Bezirk Gmunden) landete ein Lkw im Straßengraben, gab das Landesfeuerwehrkommando einen Zwischenstand.

Hauptsächlich seien die Einsatzkräfte aber den ganzen Donnerstag damit beschäftigt gewesen, von herbabgefallenen Ästen oder umgestürzten Bäumen blockierte Straßen wieder befahrbar zu machen. Im Mühlviertel wurde wegen der Witterung der Zugverkehr zwischen Rottenegg und Aigen-Schlägl eingestellt. Wegen Unwetterschäden fuhr zwischen Summerau und Freistadt zu Mittag kein Zug mehr. Auch zwischen Wels und Grünau waren keine Bahnfahrten möglich. Auf allen Strecken wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Der Liftbetrieb in Hinterstoder und auf der Wurzeralm war nur mehr eingeschränkt möglich.

Schäden vor allem im nördlichen Salzburg

Salzburg. Das Sturmtief "Ylenia" hat am Donnerstag auch im Bundesland Salzburg einige Schäden verursacht und für zahlreiche Feuerwehreinsätze gesorgt. Betroffen war vor allem der Flachgau, die Stadt Salzburg und der Tennengau. Seit 7.00 Uhr rückten 13 Feuerwehren aus, wie Landesfeuerwehrkommandant Günter Trinker am frühen Nachmittag auf APA-Anfrage erklärte. Es mussten vor allem umgestürzte Bäume beseitigt werden.

Durch einzelne, heftige Windböen drohten auch immer wieder Bäume umzustürzen. Die Einsatzkräfte wurde deshalb auch zu Sicherungsmaßnahmen gerufen. Am Vormittag verzeichnete die Landeswarnzentrale noch weniger Alarmierungen, am Nachmittag hatten die Feuerwehren mehr zu tun. "Aktuell haben wir sechs Einsätze", sagte Trinker kurz vor 14.00 Uhr.

Gegen Mittag hat eine Windböe im Schlosspark von Hellbrunn in der Stadt Salzburg einen Baum umgeworfen. Vorsorglich ließ die Stadt den Schlosspark, die Hellbrunner Allee, alle städtische Friedhöfe und die Stadtberge für Besucherinnen und Besucher sperren. Wenn sich die Situation wieder beruhigt, wird die Sperre wieder aufgehoben, hieß es.

Im Bundesland Salzburg wurden am Donnerstag Sturmspitzen um rund 100 km/h erwartet. Um 14 Uhr wurden am Sonnblick im Pinzgau auf 3.114 Meter Seehöhe Windgeschwindigkeiten von 121 km/h gemessen, am Kolomansberg im Flachgau 118 km/h und auf der Loferer Alm im Pinzgau 98 km/h.