01. Juni 2018 | 07:34 Uhr

burgenland.jpg © Facebook / Aktuelle Wetterwarnungen Österreich

Hagel und Überschwemmungen

Schwere Unwetter-Schäden in ganz Österreich

Heftige Regenschauer und Gewitter sorgen für hunderte Feuerwehreinsätze im ganzen Land.

Hunderte Feuerwehrweinsätze. Niederösterreich, Steiermark, Burgenland und Kärnten waren am stärksten von heftigen Regenschauern und Gewittern betroffen. Im Südburgenland sind die Schäden so groß, dass das Land eine Hilfe für Opfer der Unwetter zusicherte.

Rund 120 Feuerwehreinsätze im Burgenland

Starkregen hat am Freitagnachmittag für einen Großeinsatz der Feuerwehren im Südburgenland gesorgt. Über 50 Feuerwehren mit rund 540 Mitgliedern wurden alarmiert, berichtete der im Bezirksführungsstab Oberwart für die Einsatzleitung zuständige Martin Ulreich. Die Zahl der Einsätze schätzte er auf rund 150.
 
Stadtfeuerwehr-Oberwart.jpg © Stadtfeuerwehr Oberwart
 
Die ersten Alarmierungen habe es gegen 13.30 Uhr gegeben. Die Feuerwehren hatten mit überfluteten Straßen und Kellern, Vermurungen, Hangrutschen und im Wasser abgesoffenen Autos zu kämpfen. Weiters waren rund 3.000 Sandsäcke in Verwendung. Auch vier Katastrophenhilfsdienst-Züge, zwei davon aus der Steiermark, wurden hinzugezogen.

Hochwasser im Burgenland:

Laut der Landessicherheitszentrale Burgenland waren Loipersdorf-Kitzladen, Grafenschachen, Markt Allhau, Riedlingsdorf, Pinkafeld und Buchschachen (alle Bezirk Oberwart) besonders betroffen. Im Bezirk Güssing kam es aufgrund von Starkregen zu Verkehrsunfällen mit zwei Verletzten. In Grafenschachen war ein Kriseninterventionsteam im Einsatz.
 
Das Wasser stehe auf den Straßen bis zu 70 Zentimeter hoch, berichtete Ulreich. "Da gibt's kein Vorankommen." In Pinkafeld sei zudem ein Wirtschaftsgebäude aufgrund eines Blitzschlages ausgebrannt. In Riedlingsdorf musste ein Wagenlenker aus dem Fahrzeug befreit werden, der von den Wassermassen überrascht worden war und den Wagen nicht mehr ohne fremde Hilfe verlassen konnte, berichtete die Feuerwehr Riedlingsdorf.

Loipersdorf-Kitzladen sei am schlimmsten betroffen, meinte Ulreich. Dort stünden schätzungsweise drei Viertel der Ortschaft unter Wasser. "Die Lage war dort längere Zeit unübersichtlich", so der Einsatzleiter. Freitagabend waren noch etwa 20 Feuerwehren in der Gemeinde im Einsatz.
 
Die Feuerwehren wären zurzeit vor allem mit Auspumparbeiten beschäftigt. "Das Kellerauspumpen geht sicherlich noch die ganze Nacht hindurch", so die Einschätzung Ulreichs. Spätestens nach zwölf Stunden werde es eine Ablöse der Kräfte geben. Die Pegelstände des Stögersbachs und der Pinka seien noch am Steigen. Regen sei zumindest keiner mehr angesagt.

Unwetter im Südburgenland - Land sichert Hilfe zu

Das Land Burgenland hat den Opfern der schweren Unwetter am Freitag rasche und unbürokratische Hilfe zugesagt. "Wir werden alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausschöpfen und den betroffenen Menschen rasch helfen", teilten Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) und Landeshauptmannstellvertreter Johann Tschürtz (FPÖ) per Aussendung mit. Für die Geschädigten gebe es eine Katastrophenbeihilfe.

Steiermark

Gewitter mit Starkregen haben Freitagnachmittag in der Steiermark zu lokalen Überschwemmungen geführt: Besonders getroffen hat es diesmal die Oststeiermark. Im Bezirk Weiz wurden Straßen von Bächen überschwemmt, die zu reißenden Fluten angeschwollen waren. In Hartberg wurde eine Siedlung mehrerer Reihenhäuser vom Oberflächenwasser der benachbarten Äcker überflutet. Gärten sahen aus wie Teiche.
 
 
Die Niederschläge zogen über große Teile der Steiermark, wobei starke Regengüsse in den Bezirken Weiz sowie Hartberg-Fürstenfeld niedergingen. Im Bezirk Weiz wurden bis zum späten Nachmittag 20 Einsätze für elf Wehren gemeldet - vor allem entlang der Raab. Einsätze wurden auch rund um Strallegg, Birkfeld und Passail abgearbeitet.
 
In einer Siedlung im östlichen Stadtgebiet von Hartberg konnten Äcker das Wasser nicht mehr aufnehmen. Einer der Betroffenen schilderte gegenüber der APA: "Erst hat es gehagelt, dann kam das Wasser vom Acker über Nachbargärten in unseren. Binnen weniger Minuten war unser Garten ein Teich." Bei der Abfahrt der Südautobahn (A2) gab es ebenfalls vorübergehend Probleme mit hohem Wasserstand.
 
APA-HANDOUT--STEIERMARK-UNW.jpg © APA/JOACHIM UNGER In Hartberg wurde eine Siedlung mehrerer Reihenhäuser vom Oberflächenwasser der benachbarten Äcker überflutet.
 

Feuerwehreinsätze auch in Niederösterreich

Auch für Niederösterreichs Feuerwehren hat es am Freitag Dutzende Unwettereinsätze gegeben. Keller wurden überflutet und Straßen überschwemmt. Betroffen war der südliche Landesteil, vor allem die Bucklige Welt. In den Bezirken Neunkirchen, Wiener Neustadt und auch Baden seien bis zum Nachmittag rund 300 Einsatzkräfte ausgerückt, sagte Feuerwehrsprecher Franz Resperger dem ORF NÖ.
 
Feuerwehr-Dietmanns--Josef-.jpg © Feuerwehr Dietmanns / Josef Kugler

Starkregen setzte Orte im Waldviertel unter Wasser

Nach Angaben des Bezirksfeuerwehrkommandos Waidhofen an der Thaya hat Starkregen am Freitagnachmittag Ortsteile von Waidhofen unter Wasser gesetzt. Gegen 16.00 Uhr hatte sich eine Gewitterzelle über Matzles entladen, binnen weniger Minuten seien enorme Regenmengen gefallen.
 
BFK-Waidhofen-a.-d.jpg © BFK Waidhofen a. d. Thaya _ Stefan Mayer
 
Schlammmassen drangen in sechs Keller ein, fünf Feuerwehren standen mit Unterwasserpumpen und einer Großpumpanlage im Einsatz. Auch in Pyhra und Altwaidhofen (ebenfalls Gemeinde Waidhofen an der Thaya) waren zwei Feuerwehren damit beschäftigt, Unwetterschäden zu beseitigen.

Überflutete Keller und vermurte Straßen in Kärnten 

Eine Unwetterfront mit Starkregen und Hagel ist am Donnerstagabend über Kärnten hinweggezogen und hat für rund 70 Feuerwehreinsätze gesorgt. Am stärksten betroffen waren die Bezirke Spittal und St. Veit. Straßen und Keller waren überflutet, der Boden konnte die großen Regenmengen in der kurzen Zeit nicht mehr aufnehmen. Am Freitag waren die Aufräumarbeiten noch in vollem Gange.
 
Die letzte verbliebene Straßensperre am Freitag in der Früh betraf die Katschberg Straße (B99) zwischen Lieserbrücke und Trebesing. Der Verkehr wurde über die Trebesinger Straße und die Tauernautobahn (A10) umgeleitet. Voraussichtlich bis Mittag sollte die Katschberg Straße wieder befahrbar sein, hieß es auf APA-Anfrage bei der Polizei.
 
Im besonders betroffenen Seeboden floss am Donnerstag auf den Straßen der Schlamm mehrere Zentimeter hoch. In Bad Kleinkirchheim waren laut Polizei auch Tiefgaragen überflutet. Im Görtschitztal in Klein St. Paul wurden die Bundesstraße (B92) und mehrere Gemeindestraßen vermurt, außerdem Keller überflutet. In Wieting trat der Katschnigbach über die Ufer und unterspülte die Stützmauer eines Bauernhofs. Die Gemeindestraße in den Katschniggraben war wegen Murenabgängen unpassierbar.

Wetter heute Nacht

Die Schauer- und Gewittertätigkeit nimmt in der Nacht langsam ab, am längsten unbeständig bleibt es noch entlang der Alpennordseite und im Norden. Sonst lockern die Wolken langsam auf. Es weht schwacher bis mäßiger, im Osten in der Früh auch teils lebhafter Wind aus überwiegend West. Frühtemperaturen 12 bis 20 Grad.

Ausblick für die nächsten Tage

Am Samstag startet der Tag am Alpennordrand von Salzburg ostwärts bis ins Burgenland bereits wechselhaft mit teils gewittrigen Regenschauern. Überall sonst ist es zunächst noch teils sonnig. Die Gewitterneigung steigt im Tagesverlauf aber wieder verbreitet an, mit Schwerpunkt im Bergland sowie im Süden und Südosten. Im Norden und Nordosten ist es voraussichtlich etwas stabiler, einzelne Schauer sind aber auch hier möglich. Im Norden und Osten bläst mäßiger bis lebhafter Westwind. Erneut liegen die Frühtemperaturen bei zwölf bis 19 Grad und erreichen tagsüber 23 bis 29 Grad.
 
Am Sonntag ist es mit Zwischenhocheinfluss verbreitet sonnig und auch wieder sommerlich warm mit Tageshöchsttemperaturen zwischen 24 und 30 Grad. Nur isolierte Gewitter sind zu erwarten, am ehesten im Berg- und Hügelland südlich des Alpenhauptkammes. Der Wind weht schwach bis mäßig aus West bis Nordwest. Die Frühwerte liegen bei 13 bis 19 Grad.
 
Am Montag ist es während der ersten Tageshälfte verbreitet recht sonnig und warm. Die Schwerpunkte der nachmittäglichen Gewittertätigkeit liegen im Westen sowie ganz im Osten. Nördlich der Donau sind kaum Gewitter zu erwarten, es ist schwach windig. Die Frühtemperaturen liegen bei zwölf bis 20 Grad, die Tageshöchsttemperaturen bei 24 bis 30 Grad.
 
Am Dienstag bleibt schwacher Störungseinfluss im Ostalpenraum wetterbestimmend und sorgt für verbreitet labile Verhältnisse mit nachmittäglichen Gewittern. Der Sonnenschein ermöglicht jedoch sommerliche Tagesmaxima mit bis zu 30 Grad.