17. Dezember 2015 | 07:51 Uhr

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Salzburg

Seilbahnen für Skitouren-Verbot auf Pisten

Bei viel Andrang sollen die Pisten für Tourengeher gesperrt werden.

Der Obmann der Salzburger Seilbahnunternehmen, Ferdinand Eder, hält ein Skitouren-Verbot auf Pisten bei großem Andrang für richtig und aus Gründen der Sicherheit auch für notwendig, erklärte Eder der APA. Die Bergbahnen in Flachau haben bereits ein solches Verbot erlassen und damit heftige Diskussionen ausgelöst. Der Alpenverein sprach sich dagegen aus.

Wenig Schnee - Tourengeher weichen auf Pisten aus
Wegen des niederschlagsarmen Wetters wurden und werden die Pisten in den Salzburger Skigebieten technisch beschneit, abseits im freien Gelände liegt kaum oder kein Schnee. Deshalb weichen derzeit Hunderte Skitourengeher - die Fitness-Community wächst von Jahr zu Jahr stetig an - auf die präparierten Pisten aus. Teilweise liegt dort nur auf einem schmalen Streifen Schnee. "Die Pisten sind in der Breite eingeschränkt. Wenn es zu einem enormen Andrang aufsteigender Personen kommt wie in der Flachau, muss man im Rahmen der Verkehrssicherung Maßnahmen setzen, um aus der Haftung herauszukommen", sagte der Fachgruppenobmann in der Wirtschaftskammer Salzburg.

Es sei bereits zu gefährlichen Situationen gekommen, schilderte Eder. Einige Tourengeher hätten Pisten gequert, seien unter Geländekuppen stehen geblieben oder hätten auch freilaufende Hunde mitgehabt. Das erhöhe das Unfallrisiko. Deshalb sei der Pistenbetreiber verpflichtet, entsprechende Maßnahmen zu setzen. Ein Verbot für Pistengeher sei da die richtige Handlungsweise, legte Eder den Seilbahnen- und Pistenbetreibern nahe.

Kein generelles Verbot
Ein generelles Verbot auf allen Salzburger Skipisten wäre aber das falsche Signal, erklärte Eder. Es gebe ja unterschiedliche Frequenzen in den einzelnen Skigebieten, was Tourengeher betreffe, daher müsse jeder Pistenbetreiber selbst entscheiden, welche Maßnahmen er ergreift. "Es gibt Skigebiete, wo nur vereinzelt Pistengeher unterwegs sind. Wo eine massenweise Bewegung da ist, gibt es aber Handlungsbedarf, um aus der Haftungsverantwortung herauszukommen." Ein Verbot sei hier der einzige richtige Schritt. "Zusehen ist zu wenig. Jeder muss sich seiner Verantwortung bewusst sein. Das muss aber jeder einzelne für sich selbst prüfen."

In einigen Skigebieten gebe es eigene Trails für Skitourengeher, da gibt es laut Eder keine Probleme. "In einem normalen Winter haben wir ja auch ein vernünftiges und sehr gutes Miteinander auf den Pisten. Jetzt haben wir einen Extrem-Winter, wo es defacto keinen Naturschnee gibt und Skifahren nur auf beschneiten Pisten möglich ist."

Hoffen auf Naturschnee
Ob neben der Flachau auch noch andere Skigebiete mit Verboten für Pistengeher nachziehen, könne er noch nicht sagen. "Ich weiß nur, dass die Skigebiete die Situation derzeit sehr genau beobachten und dann möglicherweise Schritte einleiten", sagte Eder. "Die Sorge ist in einigen Gebieten gegeben. Wichtig wäre jetzt aber, dass Naturschnee fällt, damit der Skitourengeher wieder ins Gelände gehen kann."

Alpenverein "nicht erfreut"
Der Präsident des Österreichischen Alpenvereins (OeAV), der Tiroler Rechtsanwalt Andreas Ermacora, ist über das Skitouren-Verbot auf der Piste "nicht erfreut", wie er erklärte. Ein generelles Verbot sei der falsche Weg, damit würde eine ganze Zunft von Sportlern bestraft.

Wie das Verbot in der Praxis überhaupt umsetzbar sei, das müsse man erst sehen, meinte Ermacora. Rechtlich sei eine generelles Verbot umstritten, es gebe noch kein präjudizierendes Urteil. "Den ganzen Berg zu sperren, ist, glaube ich, rechtlich nicht möglich." In erster Linie seien die Pisten ja für Abfahrer da, das sei ihm bewusst. "Wir hoffen, dass bald Schnee kommt und die Tourengeher ins Gelände gehen können", stieß der Alpenvereinspräsident ins selbe Horn wie Eder.

Natürlich gebe es schwarze Schafe, die nicht am Pistenrand aufsteigen, sagte Ermacora, der auf ein "Miteinander" setzt. Jeder Skifahrer müsse aber auch auf Sicht fahren, damit es zu keinen Kollisionen kommt. Dass derzeit viele Skitourengeher aufgrund des Schneemangels die technisch beschneiten Pisten benützen, bezeichnete der Alpenvereinspräsident als "eine Notsituation". Er hofft auf das Verständnis der Pistenbetreiber bzw. Liftgesellschaften.

 

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