06. August 2017 | 11:09 Uhr

Steiermark_Unwetter1.jpg © APA

Horrornacht auf Sonntag:

Neuerliche und noch heftigere Gewitter in der Steiermark

Wieder Evakuierungen, überschwemmte oder weggerissene Straßen und eingeschlossene Menschen.

Kaum waren die Aufräumarbeiten angelaufen ist es in der Nacht auf Sonntag zu neuerlichen Unwettern in der Steiermark gekommen. In Oberwölz (Bezirk Murau) mussten erneut Häuser evakuiert werden, Bäche traten wieder über die Ufer und Hänge rutschten ab. In Knittelfeld (Bezirk Murtal) rettete die Feuerwehr Menschen aus einem weggeschwemmten Pkw. Der Öblarner Ortskern (Bezirk Liezen) wurde überflutet.

In Oberwölz war es laut Feuerwehr-Sprecher Walter Horn keine 24 Stunden nach dem ersten Unwetter von Freitagabend, als Samstagabend erneut eine Gewitterfront mit Sturm und Starkregen im Wölzertal eintraf: "Der Schöttlbach trat binnen kürzester Zeit wieder über die Ufer und die Bewohner entlang des Wölzerbaches mussten erneut evakuiert werden", teilte er Sonntagfrüh mit. Ein Haus im Ortsteil Brombach wollten die Feuerwehrleute evakuieren, doch nachdem sie angekommen waren, war der nahe Bach zu einem reißenden Gewässer geworden, der die Glattjoch Straße (B75) überschwemmte. Die Helfer mussten mit den Bewohnern warten, bis andere die Straße geräumt hatten.

Weitere Evakuierungen gab es in den Ortsteilen Hinteregg, Schönberg und Salchau - sofern die Einsatzkräfte noch zufahren konnten. Vorübergehend war Oberwölz über die Straßenwege weder von Niederwölz noch über St. Peter am Kammersberg erreichbar und damit abgeschnitten. Seit 7.00 Uhr trifft sich wieder der Krisenstab, um die weiteren Aufräumarbeiten zu planen, so Horn. "Die Schäden dürften diesmal jedoch wesentlich höher sein als beim ersten Mal", fürchtete er.

Knittelfeld: "Sintflutartige Regenfälle"

In Knittelfeld, das auch schon in der Nacht davor von Unwettern getroffen wurde, kam es Sonntagabend zu "sintflutartigen Regenfällen", erklärte Feuerwehr-Sprecher Thomas Zeiler. Dutzende Keller mussten ausgepumpt und umgestürzte Bäume beseitigt werden. "Hot Spot" war die Ortschaft Flatschach, wo der Flatschacher Bach über die Ufer trat und ein Auto mit zwei Insassen mitriss. Die Feuerwehr rettete die beiden über Streckleitern aus dem Wagen und brachte sie in Sicherheit. Der Kobenz Bach überflutete ebenfalls Straßen und riss 15 neben dem Gewässer geparkte Fahrzeuge einige Meter mit. Außerdem beschädigte er einige kleinere Brücken, weshalb eine Zivilschutzwarnung an die Bevölkerung ausgegeben wurde, erklärte Zeiler.

Kobenz © APA

Überflutete Straßen bei Kobenz.(c)Wetter.at

Schwer getroffen hat das Unwetter auch die benachbarten Gemeinden St. Marein-Feistritz, Seckau und Bischoffeld. Die Murtal Schnellstraße (S36) war vorübergehend zwischen Feistritz und Knittelfeld in Fahrtrichtung Klagenfurt aufgrund von Überschwemmungen gesperrt. Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) wird Sonntagvormittag zu einem Lokalaugenschein in Kobenz erwartet.

Neben den Bezirken Murau und Murtal zog die Gewitterfront auch über den Bezirk Liezen, wo neuerlich rund 350 Feuerwehrleute im Einsatz waren. Bereits am Nachmittag hatte ein Rückhaltebecken am Gröbminger Hausberg, der Kammspitze, den Wassermassen nicht mehr stand gehalten. In Folge trat der Hofmanningbach über die Ufer und überschwemmte Keller in Gröbming.

Sölkpaß-Straße teilweise weggerissen

Kurz vor 21.00 Uhr meldete sich ein Fahrzeuglenker von der Sölkpaß-Höhe: Die Straße wurde teilweise weggerissen, er saß fest, begab sich aber an eine sichere Stelle und übernachtete in seinem Wagen. Er dürfte Sonntagvormittag mit einem Hubschrauber geholt werden, meinte Christoph Schlüßlmayr, Feuerschwer-Sprecher im Bezirk Liezen.

In der Sölk trat der Bach über die Ufer und überflutete weite Teile des Ortsteils Fleiß, weshalb Bewohner aus ihren Häusern mussten. Ebenso wurde der Ortskern in Öblarn durch eine Verklausung überflutet. Die Gemeinden Sölk, Öblarn und Donnersbachwald wurden behördlich zu Katastrophengebieten erklärt. Schlüßlmayr bestätigte auf APA-Nachfrage, was schon seine Kollege aus dem Bezirk Murau befürchtete: "Die Nacht auf Sonntag war heftiger als die Nacht davor."

In Leoben verursachte der Starkregen ebenfalls Überschwemmungen, zahlreiche Keller mussten von den Feuerwehren ausgepumpt werden. Außerdem hatte ein Blitz in den Turm der Waasenkirche eingeschlagen. Es kam zu einem Brand in der Kirchturmspitze, der von den Einsatzkräften über eine Drehleiter mit Wasserwerfern bekämpft wurde. Die Flammen waren rasch gelöscht. Die meisten überfluteten Straßen in Leoben wurden von den Feuerwehrleuten binnen weniger Stunden wieder freigeräumt.

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