28. April 2017 | 17:32 Uhr

Schnee Frost Blumen © Schwarzataler

Trotz mildem Beginn

Kältester April seit neun Jahren

Die Wetter-Bilanz zeigt große Temperaturunterschiede samt Frostrekorden.

Erstmals seit 2008 ist ein April wieder kühler als der vieljährige Durchschnitt ausgefallen. Laut vorläufiger Bilanz der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) lag die Temperatur 0,2 Grad Celsius unter dem Mittel. Insgesamt waren die Unterschiede groß: Am 10. April gab es in Hermagor in Kärnten 25,9 Grad, in der zweiten Monatshälfte folgte dann aber ein massiver Kaltlufteinbruch.

"Dabei wurden zum Beispiel an den Wetterstationen der Flughäfen Graz und Innsbruck mit minus 5,5 Grad bzw. minus 4,4 Grad neue Frostrekorde für die zweite Aprilhälfte aufgestellt", sagte ZAMG-Meteorologe Alexander Orlik. Kaltlufteinbrüche mit Frost und Schnee sind zwar im April keine Seltenheit, aber die Neuschneemengen am 19. und 20. April 2017 waren aber zum Teil sehr ungewöhnlich, besonders im Gebiet von den Ybbstaler Alpen bis zum Wienerwald, resümierte Orlik.

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Zum Beispiel schneite es in Lunz am See in Niederösterreich innerhalb von 24 Stunden 65 Zentimeter, ein selbst in einem Wintermonat extrem hoher Wert. Am 20. April 2017 lagen dann insgesamt 86 Zentimeter Schnee. Das gab es hier in der zweiten Aprilhälfte seit Messbeginn im Jahr 1896 noch nie. Der Rekord für den gesamten April liegt in Lunz mit 170 Zentimetern deutlich höher, gemessen am 1. April 1944.

Extrem waren im Ende April 2017 die Niederschlagsmengen im Südwesten Österreichs, sagte Orlik: "Am Loiblpass kamen in 48 Stunden 256 Millimeter Niederschlag zusammen. Das gibt es hier statistisch gesehen nur alle 20 Jahre, in einem Frühlingsmonat sogar nur alle 40 bis 50 Jahre. In Bad Bleiberg regnet es in 48 Stunden 138 Millimeter. Das kommt hier durchschnittlich alle zehn Jahre vor, und in einem Frühlingsmonat nur alle 40 bis 50 Jahre." In Kärnten und Osttirol war es der erste flächendeckend ergiebige Regen nach einer rund fünf Monate dauernden Trockenheit. Berücksichtigt man die Prognosen bis Monatsende, so zeichnet sich in der österreichweiten Auswertung ein um 45 Prozent überdurchschnittlich nasser April 2017 ab.

Die Sonnenscheindauer lag hingegen zehn Prozent unter dem Mittel, aber hier gab es große regionale Unterschiede. Der Alpenhauptkamm bildete dabei relativ genau eine Trennlinie zwischen einem überdurchschnittlich sonnigen Süden und einem sehr trüben Norden. Von Osttirol bis in das Mittelburgenland schien die Sonne, verglichen mit dem klimatologischen Mittel, um fünf bis 20 Prozent länger. Aber auch von Vorarlberg bis zu den Tuxer Alpen waren die Sonnenscheinverhältnisse ausgeglichen. Deutlich seltener zeigte sich die Sonne dann vom Tiroler Unterland bis ins Nordburgenland. In diesen Gebieten schien diese um zehn bis 30 Prozent kürzer. Besonders trüb war es aber vom Flachgau bis zu den Ybbstaler Alpen sowie im Mühl- und Waldviertel. Das Defizit an direktem Sonnenschein lag hier zwischen 30 und 50 Prozent.

Auch die April-Bilanz der Phänologie, die Auswirkungen von Wetter und Klima auf Pflanzen und Tiere untersucht, zeigt einige Besonderheiten. Nach dem wärmsten März der Messgeschichte begann auch der April sehr mild, wodurch die Blüte der Leitpflanzen des sogenannten Vollfrühlings ungewöhnlich früh begann. Die Kaltlufteinbrüche in der zweiten Aprilhälfte verursachten dann in vielen Obstkulturen verbreitet Frostschäden.

Viele Pflanzen waren in diesem Jahr besonders anfällig, da die frühe Entwicklung der Vegetation mit einem ungewöhnlich starken Temperatursturz zusammenfiel, sagte Phänologe Helfried Scheifinger: "Zum Beispiel war in den 72 Jahren der phänologischen Beobachtung im Wiener Raum ein so früher Vegetationsbeginn noch nie mit einer derartig niedrigen Tagesmitteltemperatur verbunden. Dieses Mittel der Temperatur über Tag und Nacht lag am 19. April 2017 bei nur 2,7 Grad und unterbot den bisherigen Extremwert von 4,9 Grad am 11. Mai 1978 deutlich."