30. Oktober 2015 | 07:42 Uhr

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Österreich

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Nachtfrost und langes Warten im Freien wird zur Gefahr für Flüchtlinge an den Grenzen.

„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das erste Baby hier erfriert.“ So drastisch warnen die Behörden im bayrischen Passau vor ersten Kälte-Toten unter den Tausenden Flüchtlingen, die täglich an den Grenzen warten. Eine Angst, die man in Österreich teilt.

„Tagsüber ist es ja erträglich, aber nachts warten die Menschen draußen stundenlang bei zwei, drei Grad“, schildert Stefan Neubauer vom Roten Kreuz die Lage an den vielen Grenzübergängen zwischen Oberösterreich und Bayern.

Laut Polizeiangaben von 06.00 Uhr früh befinden sich derzeit 4.200 Personen auf österreichischem Gebiet, die allesamt in beheizten Zelten untergebracht werden konnten. Der Weitertransport der Flüchtlinge wurde über Nacht ausgesetzt und soll am Freitag fortgeführt werden.

Hilfsorganisationen versorgen die Flüchtlinge vor der deutschen Grenze mit Tee, Suppe und Decken. Nur so ist die stundenlange Wartezeit zu ertragen. Ein plötzlicher Wintereinbruch oder geringere Flüchtlingsaufnahme durch Deutschland könnte aber zur Katastrophe führen.

Spielfeld: 300 Flüchtlinge freiwillig in der Kälte
„Es ist ein Kampf gegen die Kälte. Wir tun alles ­Menschenmögliche, damit nichts dergleichen passiert“, sagt Neubauer. Es ist aber auch ein Kampf gegen die Unvernunft: In Spielfeld harrten in der Nacht auf Donnerstag 300 Menschen im Freien aus. Sie hatten Angst, ihre Position beim Warten auf den nächsten Bus zu verlieren. „Mit Dolmetschern haben wir sie zu überreden versucht, ins Warme zu kommen. Aber wir können sie nicht zwingen“, erklärt Polizeisprecher Fritz Grundnig ÖSTERREICH. Laut Rotem Kreuz waren auch Familien mit Kindern unter den 300.

„Bei diesen Menschenmassen ist gar nichts auszuschließen, weder Kältetote noch eine Massenpanik. Man muss auf Holz klopfen, dass bis jetzt alles so gut gegangen ist“, sagt der steirische Rotkreuz-Sprecher August Bäck.

20.000 Transitquartiere auf Westbalkanroute fix
Die Länder auf der Balkan-Transitroute haben sich bei ihrem Gipfel am Wochenende auf die Schaffung von 100.000 Plätzen geeinigt - bei einer Telefonkonferenz am Donnerstag wurde eine erste Tranche von 20.000 Betten konkretisiert: So wird Griechenland 7.500 Plätze schaffen, Serbien und Kroatien jeweils 3.000 und Slowenien 2.000.

3.000 Transitplätze in Österreich
In Österreich wurden die ersten Zelte werden in Kollerschlag im Bezirk Rohrbach im Mühlviertel aufgestellt. Sie sind beheizbar und sollen rund 1.000 Personen aufnehmen können. Sie sollen am Freitag bezugsbereit sein. Ähnliche Lösungen sind für die Grenzübergänge in Schärding und Braunau am Inn geplant. In Summe sollen 3.000 Transitplätze geschaffen werden.