23. August 2022 | 13:29 Uhr

Unwetter

Darum kam Vorarlberg mit blauem Auge davon

Unwetter: Vorarlberg kam mit blauem Auge davon. Seit 2005 getroffene Schutzmaßnahmen haben sich in der vergangenen Woche bewährt.

Vorarlberg ist beim Starkregen am vergangenen Freitag mit dem sprichwörtlichen blauen Auge davongekommen. Das haben Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink und Landesrat Christian Gantner (beide ÖVP) am Dienstag in einer Bilanz betont. Die seit dem Jahrhunderthochwasser 2005 in Schutzmaßnahmen investierten 450 Mio. Euro hätten schlimmere Schäden verhindert, unterstrichen sie. Gantner ging dennoch von einem möglicherweise zweistelligen Millionenschaden aus.

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Der Starkregen machte in eineinhalb Tagen 2.000 Feuerwehr-Einsätze notwendig - so viele wie nie zuvor in so kurzer Zeit. Rekordniederschläge führten zu Überflutungen von Ortsteilen, Straßen und Unterführungen - mehrere Autos steckten in den Wassermassen fest. Keller und Garagen liefen voll und Muren gingen nieder. Abschnitte der Rheintalautobahn (A14) waren gesperrt.

Lediglich Rheintal von Starkregen betroffen

Anders als 2005 sei am Freitag aber nicht das ganze Land von Starkregen betroffen gewesen, sondern lediglich das Rheintal, so Schöbi-Fink und Gantner. Dort allerdings fielen innerhalb von 24 Stunden gebietsweise 200 Liter Regen pro Quadratmeter, am Pfänder bei Bregenz sogar 130 Liter in drei Stunden - was alle gemessenen Daten der vergangenen Jahrzehnte in den Schatten stellte. Zum Vergleich: Beim Hochwasser 2005 gingen innerhalb von fünf Tagen 300 Liter Regen pro Quadratmeter nieder.

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In Bezug auf den Hochwasserschutz wiesen Schöbi-Fink, Gantner und Thomas Blank, Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft, auf die Hotspots wie Kennelbach, Wolfurt (beide Bezirk Bregenz) und Dornbirn hin. Man habe dort schon viele Maßnahmen gesetzt, "die Aufgabe ist aber noch nicht erledigt", sagte Schöbi-Fink. Weitere Investitionen sollen folgen. Noch vor ein paar Jahren hätte das Hochwasser-Ereignis vom Freitag - der Pegel der Dornbirner Ache lag 20 Zentimeter über dem Wert eines 100-jährlichen Hochwassers - für die Stadt eine Katastrophe bedeutet, verdeutlichte Gantner. Man habe hinsichtlich der Wetterlage auch Glück gehabt. Wäre der Regen nicht aus Süddeutschland, sondern über die Ostschweiz nach Vorarlberg gezogen, "dann wäre der Rhein zum Problem geworden", so der Landesrat.

"Warnruf der Natur" wurde gehört

Man wolle auch in Zukunft das Konzept des integralen Hochwasserschutzes fortsetzen, betonte Gantner. Dabei werden Maßnahmen zur räumlichen Vorsorge, zum Schutzwasserbau sowie zum Katastrophenschutz kombiniert. Beim Schutzwasserbau gelte vor allem der Grundsatz, mehr Raum für Bäche und Flüsse zu schaffen. In Sachen Katastrophenschutz hob Gantner die Bedeutung der 120 Vorarlberger Ortsfeuerwehren hervor. Man habe den "Warnruf der Natur" gehört und nehme ihn sehr ernst, unterstrich der Landesrat.

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Landesfeuerwehrkommandant Herbert Österle sagte, dass eine frühzeitige Warnung seitens der Meteorologie über große Niederschlagsmengen erfolgt sei. Dass so viel Regen fallen würde, habe man letztlich nicht wissen können. Innerhalb einer Stunde seien 800 Notrufe eingelangt, deshalb habe man die Einsätze priorisieren müssen. Betroffene seien aber geduldig gewesen. Gantner begrüßte, dass Unwetter-Warnungen auf die Handys der Bürger bald möglich sein sollen. "Sobald die rechtliche Grundlage gegeben, ist, können wir das in Vorarlberg sehr schnell umsetzen", sagte er.