06. Februar 2012 | 11:49 Uhr

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Sibirische Temperaturen

Hartnäckige Kältewelle in ganz Europa

Eingeschneite Badestrände auf Mallorca. Bis minus 39,4 Grad in Tschechien.

Rekordkälte auf Mallorca: Die spanische Ferieninsel hat die tiefsten Temperaturen seit 40 Jahren registriert. Wie die Lokalpresse am Montag berichtete, waren an der Balearen-Universität in Palma de Mallorca am Vortag minus 5,7 Grad gemessen worden. Eine solche Kälte hatte es zuletzt im Jahr 1972 gegeben. Die Höchsttemperatur stieg in der Inselhauptstadt nicht über 4,8 Grad, was ebenfalls den tiefsten Wert seit vier Jahrzehnten bedeutete.

Badestrände eingeschneit

Am Montag wurde es etwas wärmer. Allerdings waren nach Angaben der Behörden in den Bergen der Sierra de Tramuntana noch vier Straßen wegen Schnees gesperrt. Am Wochenende hatte die Insel die stärksten Schneefälle seit 1956 erlebt. Im Bergland lag eine Schneedecke von bis zu 30 Zentimeter. Zeitweise waren auch die Badestrände eingeschneit.

Flüge verspätet

Mehrere Flüge waren verspätet. Am Montag normalisierte sich die Lage auf dem Flughafen Son Sant Joan wieder. Auf der Nachbarinsel Menorca wurden die Häfen von Mahon und Ciutadella wegen Sturms geschlossen.

Bis minus 39,4 Grad in Tschechien
Die Gemeinde Kvilda an der Grenze zu Bayern hält weiter den Kälterekord in Tschechien. Dort zeigte das Thermometer am Montag minus 39,4 Grad. Auch in der Hauptstadt Prag war es mit minus 19,2 Grad ungewöhnlich kalt. Die Extremkälte forderte am Wochenende mindestens sechs Tote, wie tschechische Zeitungen am Montag berichteten. Drei Obdachlose starben an Erfrierungen. Zwei ältere Menschen kamen ums Leben, nachdem ihre Heizungsanlagen Feuer gefangen hatten. Ein 66 Jahre alter Mann starb aufgrund eines defekten Abzugs an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung.

Behinderungen im Bahnverkehr

Massive Behinderungen verursachte das eisige Winterwetter im Bahnverkehr. Eingefrorener Diesel-Kraftstoff, Frostschäden an Schienen und gebrochene Wasserleitungen führten am Montag auf wichtigen Eisenbahn-Verbindungen zu stundenlangen Verzögerungen. Passagiere mussten teilweise mit Ersatzbussen weiterfahren.

Die Feuerwehr warnte unterdessen eindringlich davor, Metallgegenstände zu berühren. Bereits drei tschechische Jugendliche froren seit dem Kälteeinbruch vor einer Woche mit ihrer Zunge an Laternenpfosten fest. Sie wollten den Frost lecken. Zuletzt mussten die Beamten in der Gemeinde Chodov einen 14-Jährigen mit warmen Tüchern aus seiner prekären Lage befreien

Ausnahmezustand in Serbien verhängt
Zehn Kältetote sind mittlerweile auch in Serbien zu beklagen. Die Regierung hat wegen des anhaltenden Frosts am Sonntagabend den Ausnahmezustand verhängt. Er soll den Behörden ermöglichen, auch private Unternehmen in die Schneeräumung einzubinden. Ab heute, Montag, sollen auch rund 19.000 Soldaten zum Einsatz kommen.

Nach Angaben der Behörden sind derzeit landesweit rund 70.000 Menschen von der Umwelt abgeschnitten und schätzungsweise 5.000 Kilometer Verkehrswege unbefahrbar. Bis Mittwoch ist in Serbien noch mit starken Schneefällen zu rechnen, in Belgrad sei mit minus 20 Grad und weiteren 20 Zentimetern Schnee zu rechnen.

Das Bildungsministerium hatte bereits am Freitag landesweit einwöchige Schulferien verordnet. Auch die Kindergärten blieben geschlossen.

Bereits mehr als 60 Tote in Polen
Durch die klirrende Kälte sind in Polen bereits mehr als 60 Menschen gestorben. Allein in den vergangenen 24 Stunden seien neun Kältetote im Nordosten gezählt worden, teilte die polnische Polizei am Montag mit. Die meisten Opfer seien Obdachlose, die betrunken gewesen seien. Wegen der extremen Minusgrade lockerten die Aufnahmezentren für Obdachlose ihre Regeln und nehmen inzwischen auch alkoholisierte Menschen auf, die normalerweise keinen Zutritt erhalten.

Rekordtiefstwert auf Schweizer Wohngebiet:  Minus 35,1 Grad in Graubünden
Die anhaltende Kältewelle lässt auch einige Rekorde purzeln: In der Schweiz wurde in der Nacht auf Montag die tiefste jemals gemessene Temperatur auf bewohntem Gebiet gemessen. Minus 35,1 Grad zeigten die Thermometer in Samedan (Kanton Graubünden). Auf der Glattalp (Kanton Schwyz) wurden gar minus 45 Grad registriert.

Fast ebenso kalt wie in Samedan war es auf der Alp Buffalora am Ofenpass (ebenfalls Graubünden) mit minus 31,8 Grad. In La Brevine im Neuenburger Jura, dem sogenannten Sibirien der Schweiz, sanken die Temperaturen auf eisige minus 27,6 Grad.

18 Menschen am Wochenende in Italien erfroren
Die anhaltende Kältewelle sorgt in Italien weiterhin für chaotische Zustände. Am Montag wurden erneut Schneefälle in der mittelitalienischen Region Abruzzen gemeldet. Einige Autobahnabschnitte wurden gesperrt. In Rom blieben am Montag Schulen und Ämter geschlossen. Für Obdachlose wurden 2.000 Schlafplätze zur Verfügung gestellt. Allein am Wochenende sind 18 Menschen erfroren.

Am Sonntag wurden zwei Obdachlose in Ostia bei Rom und in der toskanischen Stadt Lucca tot aufgefunden. Zwei Frauen erfroren in Rom bzw. Triest. Ein Mann erlitt einen Herzinfarkt, während er in der Provinz Avellino vor seiner Tür Schnee schaufelte. Ähnliche Vorfälle ereigneten sich in den mittelitalienischen Städten Teramo und Chieti. Eine 91-jährige Frau starb in Triest, nachdem sie aufgrund starken Windes gestürzt war, berichteten italienische Medien.

 Wegen heftigen Schneefalls kam es in mehreren Teilen des Landes zu Stromausfällen. Mindestens 85.000 Menschen mussten in Mittel- und Süditalien ohne Elektrizität ausharren. In Bologna, Venedig, L'Aquila und in der Region Marche wurden Soldaten beim Schneeräumen eingesetzt. Besonders prekär war die Lage in der mittelitalienischen Region Abruzzen. Innenministerin Annamaria Cancellieri appellierte an die Italiener, auf das Auto zu verzichten und zu Hause zu bleiben.

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