16. November 2012 | 07:31 Uhr

Hagel in Tirol © Zoom Tirol

Risiko

Hagel- und Sturm werden oft unterschätzt

Experten orten bei Hausbesitzern Nachholbedarf bei Prävention.

Sturm und Hagelschäden haben in vielen Gebieten Österreichs in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark an Zahl und Intensität zugenommen und stellen mittlerweile ein ernsthaftes Risiko für Hausbesitzer dar. Viele massive Schäden könnten durch einfache Maßnahmen vermieden werden, betonte Arthur Eisenbeiss, Sprecher der österreichischen Brandverhütungsstellen. Diese bemühen sich im Auftrag der Versicherungen nun auch verstärkt um die Prävention von Schäden durch Extremwetterereignisse.

Unwetter immer häufiger

Studien würden klar belegen, dass Hagelunwetter, die zu Schäden führen, immer häufiger werden: "An der TU Graz wurde beispielsweise erhoben, dass sich die Zahl der Hagelereignisse mit Schäden an den Außenhüllen an Gebäuden zwischen 1990 und 2010 verdoppelt hat", so Eisenbeiss. Sturm und Hagelschäden würden mittlerweile zwei Drittel der registrierten Gesamtschäden durch Extremwetterereignisse ausmachen. Alleine die Sturmkatastrophen "Kyrill", "Emma" und "Paula" in den Jahren 2007 und 2008 hätten österreichweit eine Schadenssumme von rund 540 Millionen Euro verursacht. Die Hagelunwetter im Juli 2009 - das bisher größte Sturm-Hagelereignis in Österreich seit Aufzeichnungsbeginn - schlugen sich laut Versicherungswirtschaft mit 360 Millionen Euro an Schäden zu Buche.

Schäden
"Elementarereignisse richten mittlerweile mehr Schäden an als Brandfälle", so der Brandverhütungsstellen-Sprecher. Während aber das Bewusstsein der Bevölkerung in puncto Brandverhütung und Hochwassergefahr bereits hoch ist, gebe es bei Sturm- und Hagelrisiken noch Nachholbedarf. "Wir setzen daher auch in diesem Bereich verstärkt auf Vorsorge und Beratung", so Eisenbeiss. Das Institut für geprüfte Sicherheit (IGS), eine Tochtergesellschaft der Brandverhütungsstelle für Oberösterreich, sowie die Landesstelle für Brandverhütung in Steiermark haben am Freitag eine Informationsmappe vorgelegt, die die wichtigsten Präventionsmaßnahmen für Hauseigentümer und die Bauwirtschaft auflistet.

Vorbeugen
"Die Gefährdung des eigenen Hauses durch Extremereignisse lässt sich gut über die digitale Gefahren-Landkarte HORA überprüfen", betonte Herbert Hasenbichler von der steirischen Brandverhütungsstelle. Bäume sollten grundsätzlich ausreichenden Abstand zu den Gebäuden haben, Gartenmöbel und Spielgeräte so verstaut sein, dass sie bei Sturm nicht zu Gefahrenquellen werden. Nicht zu vernachlässigen sei auch die windlastsichere normgerechte Montage von Alternativenergieanlagen.

Ein Blick in das schweizerische-österreichische Hagelschutzregister gebe Auskunft, wie widerstandsfähig eingesetzte Baumaterialien und -produkte sind. Hersteller von Dach- und Fassadenbauteilen können diese Überprüfung nach den aktuellen Normen im Linzer Institut für Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung durchführen, das dazu jüngst eine entsprechende Hagelsimulations-und Prüfmaschine entwickelt hat.