30. Jänner 2013 | 09:09 Uhr

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Tierischer Meteorologe

Tierischer Meteorologe

In den USA hat "Punxsutawney Phil" einen echten Meteorologen-Status.

Es ist zu einer festen Größe in der nordamerikanischen Meteorologie geworden: Das Murmeltier "Punxsutawney Phil" prognostiziert seit 127 Jahren am 2. Februar mit seinem Schatten die Dauer des Winters. Der sogenannte "Groundhog Day" ist spätestens seit dem Kinofilm mit dem deutschsprachigen Titel "Und täglich grüßt das Murmeltier" weltberühmt. Und das, obwohl auf den orakelnden Nager aus dem US-Bundesstaat Pennsylvania nicht wirklich Verlass ist.

Schneesturm statt Frühling
Vor allem zuletzt lag Phil mehrfach kräftig daneben. 2011 prophezeite er einen baldigen Frühling - kurz darauf fegte ein heftiger Schneesturm über Teile des Landes. Der Volksmund taufte das Unwetter fortan höhnisch "Groundhog Day Blizzard". So richtig auf dem Holzweg befand sich Phil aber im vergangenen Jahr. Der Vorhersage eines langen Winters bis Mitte März folgte das wärmste Jahr, das in den USA je gemessen wurde.

Für die US-Klimabehörde NOAA, die die Temperaturen mit wissenschaftlichen Methoden ermittelt, ist das Grund genug, an der Aussagekraft des lebendigen Barometers zu zweifeln. "Es ist nicht wirklich eine kluge Idee, den Schatten eines Murmeltiers als Vorhersage für das Wetter in den gesamten USA zu nehmen", werden die NOAA-Experten nicht müde zu betonen. Ob die Organisation in Wirklichkeit die Konkurrenz des pelzigen Wetterfroschs fürchtet?

Phil kein Rivale
Jennifer Carfagno vom US-Fernsehsender "The Weather Channel" sieht in Phil keinen Rivalen. "Immer wenn ich dabei war, hat er ohnehin falsch gelegen", sagt die Meteorologinscherzhaft. Tatsächlich trafen seine Prophezeiungen bisher in nur 39 Prozent der Fälle ein, heißt es auf der offiziellen "Groundhog Day"-Website. Das ist fürwahr keine gute Trefferquote.

Den Anhängern von "Punxsutawney Phil" ist die Statistik aber herzlich egal. Phil sei um ein Vielfaches süßer als jeder Meteorologe bei der NOAA, sagen die. "Es macht überhaupt nichts, dass Phil ab und zu daneben liegt", findet auch Carfagno. Ohnehin gehe es am "Groundhog Day" vielmehr um das Drumherum.

Sondersendung

Weil der 2. Februar in diesem Jahr auf einen Samstag fällt, strahlt ihr Sender eine mehrstündige Sondersendung aus. Die Meteorologin wird sich dann live aus dem kleinen Punxsutawney zuschalten und so groß berichten, als würde der Papst persönlich das Wetter vorhersagen.

Mehrere Millionen Fernsehzuschauer werden das Spektakel am Samstag von zu Hause aus verfolgen, hofft der Sender. Solche Einschaltquoten erzielt er sonst nur bei Hurrikanen und Waldbränden. Das Örtchen in der tiefsten Provinz, das für Besucher genauso schwer zu erreichen wie auszusprechen ist, erwartet in diesem Jahr eine "Invasion" von mindestens 20.000 Schaulustigen und Journalisten - damit wird die Bevölkerung für einen Tag mehr als vervierfacht.

Schon kurz nach Sonnenaufgang wird Bill Deely, Präsident des Murmeltiervereins, in Frack und Zylinder gekleidet zur Tat schreiten. Unter dem Jubel der Masse wird er den verschlafenen Phil aus seinem Bau ziehen. Sieht das Murmeltier dann seinen Schatten und kriecht erschrocken zurück, müssen sich die Menschen auf sechs Wochen mehr Winter einstellen. Erblickt er aber keinen Schatten (weil der Himmel bewölkt ist) dann liegt Frühling in der Luft.

Wann kommt Frühling?

"Natürlich hoffen alle auf wärmeres Wetter", sagt Meteorologin Carfagno. Beim Blick auf die Vorhersage würde sie ihrem tierischen Kollegen den professionellen Ratschlag geben, einen baldigen Frühling zu orakeln. "Damit könnte er seine Trefferquote wieder etwas aufbessern."