19. April 2016 | 12:14 Uhr

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Geschichte

Extrem-Klima brachte Pest und Kriege

Klimakrisen nahmen entscheidenden Einfluss auf die Menschheitsgeschichte.

Extreme Klimaereignisse brachten in der Vergangenheit nicht nur Hungersnöte und Krankheiten, sondern führten auch zu Kulturkrisen und Krieg, erklärten Forscher bei der Generalversammlung der European Geosciences Union in Wien. So wurden die "Dunklen Zeitalter" im Mittelalter und der Mayakultur von Klimakrisen ausgelöst - und auch am Untergang des Römischen Reichs war wohl mieses Wetter beteiligt.

Forscher des Trinity College in Dublin (Irland) um Francis Ludlow haben anhand der Jahresringe von Eichen die Niederschlagsmengen vergangener Jahrhunderte rekapituliert und anhand von historischen Aufzeichnungen festgestellt, dass in Zeiten großer Trockenheit ebensolche Scharmützel stattfanden. So wuchsen etwa in den Jahren 737 und 738 nach Christus die irischen Eichen kaum in die Breite und Chroniken berichten: "Eine große Trockenheit machte das Land vollkommen unfruchtbar". Sie erzählen auch von einer Schlacht im August 738, wo "so viele Männer fielen, dass keine vergleichbare Metzelei und kein grimmigerer Konflikt in all vorangegangenen Zeitaltern zu finden sind".

Dunkle Zeiten für die Maya
Auch die Maya im heutigen südlichen Mexiko sahen durch eine Naturkatastrophe dunkle Zeiten, berichtete Kees Nooren von der Universität Utrecht (Niederlanden). Eine heftige Eruption des El Chichon Vulkans im Jahr 540 habe zu einem zeitweiligen Niedergang der Mayakultur bis etwa zum Ende des sechsten Jahrhunderts geführt.

"Sie legten Getreidespeicher an, damit konnten sie höhere Bevölkerungszahlen erreichen, dadurch waren die Maya aber bei großen Trockenheiten verwundbarer", erklärte Linda Kuil vom Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie der Technischen Universität Wien: "Technologie kann also auch 'zurückschlagen'", meinte sie.

Gleich zwei Vulkanausbrüche macht Matthew Toohey vom Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung in Kiel (Deutschland) für "das wohl kälteste Jahrzehnt der vergangenen 2.000 Jahre" und europaweite Kulturkrisen am Übergang vom Altertum zum Mittelalter verantwortlich. Sowohl vom Jahr 540 als auch von 536 sei vulkanischer Schwefel in Eiskernen Grönlands und der Antarktis zu finden. Chroniken aus dieser Zeit berichten von einer "mysteriösen Wolke", die den Himmel über dem Mittelmeer für mindestens 18 Monate verdunkelt hat, und Baumringe weisen auf sehr schlechte Wachstumsbedingungen hin. Hinweise aus Ausgrabungen von Römerstätten zeigen eine Abnahme der Bevölkerungszahlen, Änderungen in der Landwirtschaft - und dass den Göttern viel Gold geopfert wurde.

Westliches Römisches Reich wurde verwundbar
Obwohl die Römer einiges unternommen haben, um ihre Siedlungen und Städte von den kühlen und feuchten Wäldern Britanniens bis zur ägyptischen Wüste mit Wasser und Lebensmitteln zu versorgen, dürfte auch eine Klimaänderung zu ihrem Untergang beigetragen haben. Kühlere Temperaturen und weniger verlässliche Niederschläge bescherten ihnen nämlich laut Bestandsaufnahmen von archäologischen Stellen und Modellsimulationen den Zusammenbruch ihres Nahrungs-Verteilungsnetzwerkes, was vor allem das späte westliche Römische Reich sehr verwundbar machte, erklärte Brian Dermody, der ebenfalls an der Universität Utrecht arbeitet.

"Trockenheiten und andere Extremereignisse können also großen gesellschaftlichen Stress und Konflikte auslösen - das ist eine gesunde Lektion für die heutigen Zeiten des Klimawandels", so Ludlow.

Die "Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU)" findet bis 22. April in Wien statt. Mehr als 13.000 internationale Erdwissenschafter referieren über Themen wie die Globale Erwärmung, Weltraumprojekte, Naturkatastrophen und Rohstoffe.
 

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