22. Jänner 2026 | 13:07 Uhr

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Gefühlte Kälte

Windchill: Darum kommt uns die Kälte noch kälter vor

Ob uns kalt ist oder nicht, liegt nicht nur an den winterlichen Temperaturen.  

In den vergangenen Tagen hat in Österreich vor allem der Wind dafür gesorgt, dass den Menschen draußen bitterkalt war. "Dieser Effekt, dass der Wind das Kälteempfinden verstärkt, nennt man Windchill-Effekt", erklärte am Donnerstag Clemens Biermair, Meteorologe bei der Geosphere Austria. Mit 20 km/h Wind zum Beispiel fühlen sich minus fünf Grad schnell einmal wie minus zwölf Grad an.

50 km/h Wind machen aus minus fünf Grad, wie wir sie zuletzt oft hatten, gefühlte minus 15 Grad und 100 km/h Wind bewirken, dass sich minus fünf Grad wie minus 18 Grad anfühlen, erläuterte Biermair. Je höher die Windgeschwindigkeit ist, desto schlimmer auch die gefühlte Kälte. Der Anstieg ist jedoch nicht linear und etwa ab 100 km/h sei der Auskühlungsgrad ausgereizt.

Dieser sogenannte Windchill-Effekt beschreibt im Prinzip den Unterschied zwischen der tatsächlichen Temperatur und der gefühlten Temperatur in der Kälte. Dabei entzieht der Wind (oder auch Fahrtwind, etwa beim Skifahren) der Hautoberfläche warme Luft und sorgt so für mehr Verdunstungskälte. Den Effekt versteht man daher auch als Maß für den Verlust an Körperwärme.

Warmer Luftpolster schützt uns

Normalerweise befindet sich auf der Haut nämlich ein warmer Luftpolster, der durch die Körperwärme erzeugt wird. "Dieser Luftpolster wird aber vom Wind weggeblasen", so Biermair. Mit guter Kleidung könne man sich schützen, aber eben nicht zu 100 Prozent. "Und ob uns kalt ist oder nicht, liegt im Endeffekt daran, wie viel Energie der Körper aufwenden muss, um seine Temperatur zu halten", sagte der Meteorologe. Das Kälteempfinden sei außerdem von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hänge von verschiedenen Faktoren wie Körperoberfläche, Hauttyp oder Größe ab. Aber: Mittlerweile habe der Wind nachgelassen, gab Biermair Entwarnung.

"Der Körper versucht immer, seine Wärme zu behalten", sagte am Donnerstag auch Universitätsprofessor Michael Fischer, Leiter des Instituts für Physiologie der MedUni Wien. "Und wenn er Kälte spürt, fängt er in Sekunde eins an, entgegenzuwirken." Um ein Auskühlen zu verhindern, verengen sich zum Beispiel an exponierten Hautstellen die Gefäße. Auch der Stoffwechselumsatz des Körpers steigt sofort, das Herz muss mehr pumpen, so der Mediziner.

Bewegung hilft

Mit Bewegung könne man bei Kälte gegenwirken - und das macht auch der Körper. Eine große Energiequelle des Muskels ist das Kältezittern, erklärt Fischer. Erst wenn die Körpertemperatur unter 35 Grad fällt, kann das Kältezittern vom Körper nicht mehr gesteuert werden. Kritische Temperaturen für den Körper liegen aber darunter, erst bei einer Körperkerntemperatur von 33 Grad würden Herz-Rhythmus-Störungen beginnen.

"Es ist überhaupt verblüffend, wie viel ein Körper aushält", betonte Fischer. Der Körper habe einen großen Spielraum, betrachte man etwa Eisschwimmer, die - kontrolliert und unter ständiger Beobachtung - eine Körpertemperatur von 29 Grad überstehen würden. "Der Körper hält unglaublich viel aus, wenn er nicht krank und vorbelastet ist" - und er kann sich auch schnell wieder aufwärmen, bei Kälte wie bei Wind, so Fischer.

Sich bei niedrigen Temperaturen und noch niedrigeren gefühlten Temperaturen nur in der geheizten Wohnung zu verschanzen, hält Fischer für keine gute Idee. "Rausgehen bei Kälte ist für den Körper ein starker Reiz", sagt er und verweist darauf, dass der Aufenthalt in der Kälte für einen gesunden Körper ein gutes Training ist.

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Gebietsweise nebelig, sonst sonnig. -9/0°

Im Osten, dem Donauraum und dem Rheintal halten sich teils zähe Hochnebelfelder, aus denen es ab und zu leicht und unergiebig schneien kann. Abseits vom Nebel überwiegt erneut der Sonnenschein. In Tirol und Vorarlberg treffen am Abend ein paar Wolken einer schwachen Störung ein. Der Wind weht schwach bis mäßig aus Ost bis Süd. Nachmittagstemperaturen minus 6 bis plus 7 Grad, mit den höchsten Werten im Westen.
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