15. September 2025 | 13:15 Uhr © getty Hitze, Dürre, Fluten Sommer 2025: Schäden von bis zu 126 Milliarden Euro Der Sommer 2025 in Europa war geprägt von ungewöhnlich starken Wetterextremen. Hitze, Dürren und Überschwemmungen haben nicht nur Menschen und Natur belastet, sondern auch der Wirtschaft einen erheblichen Schaden zugefügt. Eine aktuelle Analyse zeigt, wie groß der finanzielle Verlust bereits nach wenigen Monaten ist und welche Länder besonders stark betroffen wurden. Europäische Wirtschaft spürt Folgen extremer Wetterbedingungen Insgesamt verursachten die heftigen Wetterbedingungen in Europa diesen Sommer kurzfristige wirtschaftliche Verluste von mindestens 43 Milliarden Euro (EUR) – ein Wert, der bis 2029 auf 126 Milliarden Euro steigen könnte. Die Analyse basiert auf Daten, die die Beziehungen zwischen Wetter und wirtschaftlicher Leistung untersuchen, und gibt einen ersten schnellen Überblick über die Folgen, auch wenn sie noch nicht von Fachkollegen überprüft wurde. Demnach entspricht der sofortige wirtschaftliche Verlust eines einzigen Sommers mit extremer Hitze, Dürre und Überschwemmungen etwa 0,26 Prozent der Wirtschaftsleistung der Europäischen Union (EU) im Jahr 2024. Mittelmeerländer besonders betroffen Die stärksten Schäden entstanden in Zypern, Griechenland, Malta und Bulgarien, die jeweils kurzfristige Verluste von mehr als 1 Prozent ihres Bruttowerts der produzierten Güter und Dienstleistungen (GVA, ein ähnlicher Wert wie das Bruttoinlandsprodukt) verzeichneten. Danach folgen andere Mittelmeerländer wie Spanien, Italien und Portugal. Die Ökonomen von der Universität Mannheim und der Europäischen Zentralbank bezeichneten ihre Schätzungen als vorsichtig. Sie berücksichtigen nicht die verheerenden Waldbrände im Süden Europas im letzten Monat und auch nicht die kumulativen Auswirkungen, wenn extreme Wetterereignisse gleichzeitig auftreten. Langfristige wirtschaftliche Folgen Sehrish Usman, Ökonomin an der Universität Mannheim und Hauptautorin der Studie, betont, dass die „zeitnahen Schätzungen“ den politischen Entscheidungsträgern helfen könnten, gezielte Unterstützung zu leisten, solange offizielle Daten fehlen. Sie weist darauf hin, dass die wahren Kosten extremer Wetterlagen sich oft erst langsam zeigen, da diese Ereignisse über viele Kanäle das Leben und die Arbeit der Menschen beeinträchtigen. Wissenschaftler arbeiten daran, wie stark die Erderwärmung zu extremen Wetterlagen in diesem Sommer beigetragen hat. Studien legen nahe, dass die Klimaentwicklung extrem heiße Wetterbedingungen in Spanien und Portugal 40-mal wahrscheinlicher machte und in Griechenland sowie der Türkei 10-mal wahrscheinlicher. Die Zahl der Todesopfer durch die Hitze im Juni wird in zwölf großen Städten auf das Dreifache geschätzt, vor allem aufgrund der Belastung durch Luftverschmutzung. Indirekte Kosten oft höher als direkte Schäden Während viele Untersuchungen sich nur auf direkte wirtschaftliche Schäden konzentrieren – etwa zerstörte Gebäude oder versicherte Verluste – haben die Autor:innen der neuen Studie historische Zusammenhänge zwischen extremem Wetter und wirtschaftlicher Leistung genutzt, um indirekte Folgen einzubeziehen. Dazu zählen beispielsweise eingeschränkte Arbeitszeiten von Bauarbeitern bei Hitze oder längere Pendelzeiten, wenn Zugstrecken nach Überschwemmungen ausfallen. Stéphane Hallegatte, Chefökonom für Klima bei der Weltbank, der nicht an der Studie beteiligt war, bestätigt: Die wirtschaftlichen Folgeschäden von extremem Wetter sind oft größer und länger anhaltend als die direkten Schäden. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die Analyse „unvollständige Annäherungen“ verwendet, was die tatsächlichen Kosten wahrscheinlich unterschätzt. Besonders arme Bevölkerungsgruppen würden in den offiziellen Zahlen kaum sichtbar, obwohl sie stark betroffen sind. Verborgene wirtschaftliche Folgen Auch Gert Bijnens, Ökonom an der Nationalbank von Belgien, weist auf zusätzliche indirekte Kosten hin. Lieferkettenprobleme seien oft nicht berücksichtigt. Untersuchungen zu den verheerenden Überschwemmungen in Belgien 2021 zeigten, dass Unternehmen weit entfernt von den betroffenen Gebieten Umsatzverluste erlitten, weil ihre Lieferanten in den Überschwemmungsgebieten lagen. Nach Bijnens könnten solche Effekte die Schäden um bis zu 30 Prozent erhöhen. Trotz Unsicherheiten zeigt die Analyse deutlich, dass extremes Wetter bereits heute deutliche wirtschaftliche Spuren hinterlässt und die indirekten Folgen ebenso stark wie die direkten Schäden sind.